Alles nur (filmreifes) Theater ...

Wellnesscheck mit Walter Sachers

Nach einigen mehr oder weniger halbherzigen Studienversuchen  war dem jungen Walter Sachers damals klar geworden, dass wohl keiner dieser akademischen Wege wirklich der seine sein sollte. Und er besann sich darauf, was er in seiner Jugend schon konnte und liebte: Theater zu spielen.

In über 40 TV- und Kinofilmen wie etwa Soko-Kitz, Rosenheim-Cops, Die Leute von St. Benedikt, Verkaufte Heimat, Zug um Zug, die Jahrhundertlawine oder Der Bär ist los mimte Sachers die unterschiedlichsten Typen Mensch. Letztere Kinopremiere etwa  hatte Anfang des Jahres in Innsbruck stattgefunden, wo von Regisseur Xaver Schwarzenberger über Drehbuchautor Felix Mitterer bis hin zu den Hauptdarstellern Harald Krassnitzer und Fritz Karl alle da gewesen waren. 

Filmrollen wie diese dienen zwar der Popularität, Walter Sachers Leidenschaft jedoch gehört dem Theater und hier bevorzugt den alten Meistern. Mit WellHotel schlüpfte er nun in eine ganz neue Rolle des Wellness-Genießers – was, ganz der Profi, ohne Probenaufwand und aus dem Stegreif gelungen war. Eine perfekte Inszenierung, der noch weitere Vorhänge folgen sollen.


WellHotel:
Warum sind Sie Schauspieler geworden?

Walter Sachers: Weil ich nix anderes kann (schmunzelnd). Und mich immer schon mit großer Literatur beschäftigt und am liebsten die Klassiker Kleist, Goethe und Gedichte gelesen habe. Heute würde ich wohl eine andere Berufswahl treffen und Jura doch weiterstudieren. Kurz nach dem Tod meines Vaters (Univ. Prof. Dr. Erich Sachers, Rektor Uni Innsbruck, Anm.) habe ich ja – vielleicht mit seinen Genen im Blut – diesen Weg eingeschlagen, dann aber zu Vergleichender Literaturwissenschaft, Germanistik und zuletzt Slawistik gewechselt. Ich studierte in Salzburg, und da saß neben mir in der Uni eine Kommilitonin, welche an der Elisabeth-Bühne gespielt hatte und mich ermutigte, dort vorzusprechen. Gesagt, getan – ich überzeugte und erhielt auf Anhieb interessante Rollen. Zuerst lief die Ausbildung parallel dazu, dann konzentrierte ich mich jedoch mehr darauf und schaffte mit dem mir bescheinigten Talent das vierjährige Schauspielprogramm in zwei Jahren. Die Ernüchterung erfolgte jedoch im Anschluss daran beim Vorsprechen in diversen Theatern.

 

WellHotel: Wie lief Ihre Karriere weiter?

Walter Sachers: Ich bin dann nach New York gegangen, um weiter zu lernen und dort die berühmte Schauspielschule am Lee Strasberg Theatre Institute zu absolvieren, wo schon Marilyn Monroe, Al Pacino, Robert de Niro oder Dustin Hoffmann ihr Handwerk gelernt hatten. Zeitgleich mit mir hatte damals auch Christoph Waltz die Schulbank gedrückt.

Wieder zurück in Europa, bekam ich 1982 das erste Film-Angebot einer deutsch-amerikanischen Co-Produktion – die Premiere von Walter Sachers und 20th Century Fox ...

Es folgten Engagements am Stadttheater Würzburg und Regensburg, diverse Tourneen in Berlin, Hamburg, Basel und bei den Wiener Festwochen. Seit zehn Jahren bin ich in einem festen Engagement am Landestheater Innsbruck und bei vier bis fünf Produktionen jährlich dabei. Derzeit spielen wir „Kasimir und Karoline“ von Ödön von  Horvath, die Vorstellungen laufen noch bis Mitte November.

 

WellHotel: Welche Lieblingsfiguren haben Sie verkörpert?

Walter Sachers: Auf der Bühne sicher Mozart im Stadttheater Regensburg, aber auch den Hias in „Haus und Hof“ in den Tiroler Volksschauspielen. Und selbstredend „Der Fürst“ im Einpersonenstück von Machiavelli, eine Eigenproduktion von mir. In sehr positiver Erinnerung ist mir auch der TV-Zweiteiler „Zug um Zug“.

 

WellHotel: Die Traumrolle?

Walter Sachers: Den Shylock im „Kaufmann von Venedig“ – ein Klassiker von Shakespeare. Im Film gibt es diese Traumrolle nicht, weil die Figuren ja erst erfunden werden.

 

WellHotel: Welche Kollegen schätzen Sie am meisten?

Walter Sachers: Barbara Rudnik, deren Tod im Mai diesen Jahres mich wirklich sehr getroffen und drastisch vor Augen geführt hat, wie kurz das Leben ist und man es nicht nur mit Arbeiten verschwenden sollte. Und natürlich Christian Kohlund – ein phänomenaler Mensch, guter Freund, g‘scheit, und noch dazu aus der Schweiz, einem meiner Lieblingsländer – schon deshalb, weil es in Richtung Frankreich liegt. Ich bin im Prinzip ein sehr frankophiler Typ. Die Weine dort sind besser, das Essen sowieso, weiters schätze ich die Geisteshaltung der Franzosen. Die haben schon sehr früh demokratisch gedacht und können unglaubliche kulturelle Leistungen vorweisen. Und ihr Verständnis von Menschenrecht gibt‘s nirgendwo sonst auf der Welt. In Paris zu leben wäre schon ein Traum von mir.

 

WellHotel: Gibt es ein aktuelles Filmprojekt?

Walter Sachers: Derzeit finden die Dreharbeiten einer SAT 1-Produktion in Ungarn statt: „Die Wanderhure“ mit Alexandra Neldel, dem Fernsehpublikum aus „Verliebt in Berlin“ bekannt. Die Arbeiten werden Mitte November abgeschlossen sein, der Termin der Ausstrahlung ist mir jedoch noch nicht bekannt. 

Filmgeschichten dieser Art mit meist doch ziemlich seichten Drehbüchern sind für mich nur Ausflüge, oder wenn Sie wollen, das Salz in der Suppe, viel lieber setze ich mich mit schwierigeren, klassischen Theaterrollen auseinander. 

 

WellHotel: Wobei können Sie so richtig abschalten?

Walter Sachers: Bei der Gartenarbeit, egal ob in Innsbruck oder meinem Haus auf Korsika. Und bei ausgedehnten Spaziergängen mit meinem Hund, übrigens ein herrenloses „Mitbringsel“ aus Korsika. Ich bin leidenschaftlicher Frischluftfanatiker und Naturliebhaber.

Relativ neu war für mich jetzt die Wellness-Erfahrung, die aber zu einer echten Alternative werden könnte. Vor allem dann, wenn sich das in einer so natürlich schönen Umgebung und Landschaft wie  im Pillerseetal abspielt. Schon lustig der Zufall, dass ich letztes Jahr im Nachbarort von St. Jakob für Soko Kitz gedreht habe. Da war ich der Pfarrer, und nun fotografierten wir bei der Familie Unterlechner direkt am Jakobsweg. Das sind halt Geschichten, die nur das Leben schreiben kann.

www.unterlechner.com

www.schauspielschule-sachers.at