Wellnesscheck mit Toni Innauer

Der Mentalist auf neuen Wegen

Als Überflieger der Nation im legendären Skisprungteam rund um Trainer Baldur Preiml feierte er in seiner aktiven Zeit große und bleibende Erfolge bei Olympischen Winterspielen, Nordischen Skiwelt- und Skiflugmeisterschaften: Toni Innauer, der nach seiner sportlichen Karriere Philosophie, Psychologie und Sportwissenschaften studierte und dieses Wissen gebündelt in seine darauffolgenden Funktionen als Cheftrainer der österreichischen Nationalmannschaft sowie Rennsportdirektor optimal einfließen lassen konnte. Und ganz schön sauer wird, sich nach seinem Rücktritt von der Sportbühne im März 2010  nun als „Pensionist“ bezeichnen zu lassen ... WellHotel-Redakteurin Renate Linser-Sachers im Gespräch mit der nach wie vor gefragten und ziemlich ausgebuchten lebenden Legende – die Schwierigkeit, eine Wellness-Auszeit im Stanglwirt in Going in den vollen Terminkalender zwischen Lesungen, Referaten und,  und, und, zu integrieren, hautnah miterlebend.

WellHotel: Welcher Ihrer Erfolge war der für Sie am nachhaltig wichtigste?

Toni Innauer: Persönlich sportlich gesehen meine Weltrekorde 1976 und der Olympiasieg 1980. Dann als Trainer die geglückte Umstellung auf den V-Stil 1992 mit dem Olympiasieg von Ernst Vettori. Und als Sportmanager der Aufbau einer neuen Trainer- und Athleten-Generation, die heute als Superadler das Maß der Dinge im Skispringen sind.

WellHotel: Laut eigenen Worten schwimmen Sie jetzt beruflich in freier Wildbahn – wo wird die Reise hingehen?

Toni Innauer (gelassen-kryptisch): Das ist das Spannende am neuen Leben, dass ich nichts verbissen ansteuern muss !

WellHotel: Kritische Äußerungen (auch in Richtung früheren Arbeitgeber) zu sportlichen, oft unreflektierten Verhaltensweisen waren schon immer Ihre Stärke, die Gegenliebe selbstredend nicht nur inklusive ...

Toni Innauer: Ich setze immer darauf, dass konstruktive Kritik wichtig ist und bin vielleicht manchmal etwas zu direkt dabei ...

WellHotel:  Ihr 1992 publiziertes Buch „Der kritische Punkt. Mein Weg zum Erfolg“ ist nun in überarbeiteter Form wieder auf dem Markt ebenso wie Ihr neues Werk „Am Puls des Erfolges“. Was gab und gibt Ihnen die Schriftstellerei?

Toni Innauer: Ich bin kein Schriftsteller, pflege aber eine große Bewunderung für die wahren Meister dieser Kunst und ihre literarischen Geschenke an uns. Für mich hat das Schreiben etwas Bindendes, man muss sich die Dinge gründlicher überlegen als beim Reden. Diesem Prozess im eigenen Inneren spüre ich, wenn ich genug Energie habe, gerne nach.

WellHotel: Ihr ehrliches, soziales Engagement rund um die Belange von Menschen mit Behinderung geht weit über ein oft seichtes, medienwirksam inszeniertes so mancher prominenter Kollegen hinaus. Woher kommt diese Motivation?

Toni Innauer: Jahrzehntelang hatte ich das Privileg, mit hochbegabten Menschen arbeiten zu dürfen, die Großartiges zu leisten im Stande sind. Vergleichbare, wenn auch unauffälligere Leistungen verbringen viele unserer Mitmenschen, die sich trotz ihrer Handicaps mutig den speziellen, vor allem auch sozialen Anforderungen des Lebens stellen. Ein Motiv für mein Engagement liegt sicher im gemeinsamen Aufwachsen mit meiner Schwester Anna, die eine Behinderung hat.

WellHotel:  Sohnemann Mario scheint die springenden Gene des Vaters im Blut zu haben. Was geben Sie im Speziellen ihm und allen anderen jungen Sportlern mit auf den Weg?

Toni Innauer: Viele meiner Ratschläge, gemischt mit lustigen und ernsten Geschichten für junge Sportler, stehen gebündelt in meinen Büchern. Man soll den Sport mit vollem Engagement aber nicht gedankenlos an die Zeit nach der Karriere leben.

WellHotel: Sie gelten – man verzeihe die viel strapazierte Formulierung – als lebende Sportlerlegende und haben über Jahrzehnte eine Ära des Österreichischen Skiverbandes entscheidend mitgeprägt. Fluch oder Segen?

Toni Innauer: Eine so genannte Sportlerlegende wird man nicht nur durch Erfolge, sondern auch durch schwere Zeiten, die man halbwegs unbeschadet und anständig gemeistert hat. Es war schön, eine Zeit und einige Generationen unserer Sportart mitgeprägt zu haben. Der Promistatus soll mich nicht daran hindern, wie ein normaler Mensch empfinden und agieren zu können. Sonst ginge mir etwas besonders Wertvolles, die Erdung, verloren.

WellHotel: Dass in der Ruhe die berühmte Kraft liegt, könnte wohl von Ihnen erfunden worden sein. Woher nehmen Sie Ihre ausgeprägte mentale Stärke?

Toni Innauer: Der Eindruck täuscht, ich habe mir viel erarbeiten müssen und kämpfe immer wieder mit meiner angeborenen Ungeduld. Allerdings waren der Sport und die Beschäftigung mit psychologischen Themen brauchbare Lehrmeister.

WellHotel: Stichwort „Wellness“ – wie sehr wird dieser Begriff Ihrer Meinung nach  missbraucht?

Toni Innauer: Grundsätzlich ist der Begriff für mich positiv besetzt. Manchmal habe ich allerdings den Eindruck, er wird zu passiv und konsumierend verstanden und auf die so wichtige Eigentätigkeit vergessen. Das Genießen der herrlichen Einrichtungen schmeckt nach einer kleinen Anstrengung als Belohnung noch viel besser.

WellHotel: Welche Assoziationen verbinden Sie mit dem Stanglwirt?

Toni Innauer: Das Biohotel Stanglwirt, das ich über Jahrzehnte wachsen und reifen gesehen habe, bietet eine Fülle von Sport- und Wellnessmöglichkeiten, die vom Weltklassesportler bis zum stillen Genießer keine Wünsche offen lassen. Gleichzeitig kann man sich dort fast überall auf eine unaufdringliche Art und Weise auf Anhieb zu Hause fühlen.