Immer wieder sonntags ...
Interview von Renate Linser-Sachers
Sie lädt seit zwölf Jahren wöchentlich das Who’s who auf Ö3 zum „Frühstück bei mir“ (bisher 620 Sendungen!) und behauptet sich mit 1,2 Millionen Hörern auf Platz eins der österreichischen Interviewsendungen. Ihre Vita ist so spannend wie bewegt, der vielschichtige Weg hin zu ihrer Paraderolle fundiert und professionell: Claudia Stöckl, die charmante Radio-Ikone mit Stil und Tiefgang. WellHotel-Redakteurin Renate Linser-Sachers durfte die Ö3-Lady bei einer entspannenden Auszeit im Vinoble Day-Spa bei Luise Köfer in Kaindorf bei Leibnitz begleiten. Diese unterstützt dankenswerterweise das Kinderhilfsprojekt „Zukunft für Kinder“ in Kalkutta, für welches sich Claudia Stöckl seit drei Jahren intensiv engagiert.
WellHotel: Mit Ihren Frühstückseinladungen haben Sie schon lange Kultstatus erreicht. Nach welchen Kriterien werden die Gäste ausgesucht?
Claudia Stöckl: Aktualität und Bekanntheit – möglichst gekoppelt mit einer interessanten Lebensgeschichte, der Gast wird natürlich immer mit meinem Chef und auch der Redaktion beschlossen. Ein weiteres Kriterium ist die Deutschsprachigkeit meiner Gäste. Generell ist die Entscheidung, sich mit mir zum Frühstück zu treffen, eine wohl überlegte und sehr bewusst getroffene.
Vom ersten telefonischen Kontakt bis hin zum Schnitt der Sendung (mit 40 Minuten reiner Redezeit eine „Wahnsinnszeit“ im Radiosektor) unterliegt jeder Schritt einer strengen Planung.
WellHotel: Woraus resultiert Ihrer Meinung nach – selbstredend neben Ihrer Professionalität – der nachhaltige Erfolg Ihrer Sendung?
Claudia Stöckl: Ich versuche, in den Gesprächen Tiefgang zu erreichen, und das schätzen die Hörer. Erkenntnisse und Lehren meiner Gäste herauszuarbeiten ist ja auch ein Profit für andere.
WellHotel: Das Frühstück findet jenseits einer sterilen Studioatmosphäre meist in den eigenen vier Wänden Ihrer Interviewpartner statt. Worin liegen die gravierenden Vorteile?
Claudia Stöckl: Mein Lieblingsszenario ist sicher dieses „daheim“ in der vertrauten Umgebung. Seine Privattüre zu öffnen bedeutet bereits einen Vertrauensbeweis, wodurch automatisch gleich mehr Nähe entsteht. Wie zum Beispiel der Frühstückstisch gedeckt ist, was angeboten wird, wie viel Arbeit man sich damit gemacht hat und wie sich der Gesprächspartner in der Rolle des Gastgebers gibt und fühlt, gibt viel von seinem Charakter preis. Wichtig ist, dass sich beide wohl fühlen und sich diese Haltung während des Gespräches durchzieht.
WellHotel: Was fasziniert Sie am Medium Radio?
Claudia Stöckl: Die Tatsache, dass sich durch den alleinigen Einsatz der Stimme alles auf das Wesentliche reduziert. Ein wunderbares Medium für den sensiblen Zuhörer, dessen Aufmerksamkeit ebenfalls nur auf das gesprochene Wort fokusiert ist.
WellHotel: Gibt es das berühmte Schlüsselerlebnis, sich für ein Kinderhilfsprojekt in Kalkutta zu engagieren?
Claudia Stöckl: Ja. Ich war im Februar 2006 in Burma auf Reisen und sehr berührt von den zerlumpten, bettelnden Kindern auf der Straße und wollte, zurück in Wien, eine Patenschaft für ein Kind in Asien übernehmen. Meine Schwester Suzy hat mir den Verein „ZUKI – Zukunft für Kinder“ empfohlen, ein kleiner Verein in Klosterneuburg, geleitet von einer sehr ambitionierten Mutter und ehemaligen Lehrerin, Marlies Steinbach. Wir haben uns sofort toll verstanden, und sie hat mich gebeten, dem Verein durch meine Schirmherrschaft und meine Kontakte Rückenwind zu geben. Da es mir ein großes Anliegen ist, sozial Benachteiligten zu helfen, und es fast beschämend ist, mit welch geringen Summen wir Leben retten können, habe ich sofort mitgearbeitet und tue es bis heute.
WellHotel: Wie viel Zeit investieren Sie in diese ehrenamtliche Tätigkeit?
Claudia Stöckl: In den vergangenen vier Jahren haben wir intensive Aufbauarbeit geleistet, ich habe also fast meine komplette Freizeit für „ZUKI – Zukunft für Kinder“ verwendet. Wir haben Charities organisiert, Sponsoren und Paten gesucht, viele Kooperationen durchgeführt, und natürlich muss man vor dem Fundraising noch dem Verein ein Gesicht geben – Folder, Homepage gestalten etc. Ich selbst bin ein bis zwei Mal im Jahr vor Ort, und jedes Mal sehr glücklich bei diesen Besuchen. Unsere Kinder sind Zauberwesen, und es ist ein wunderbares Gefühl, dass unsere Arbeit hier in Österreich für so viele Kinder die Wende zu einem guten und zukunftsreichen Leben bedeutet.
WellHotel: Sie finden nun auch bei der südsteirischen Naturkosmetik-Linie Vinoble Unterstützung für „Ihr“ Projekt. Wie ist diese sponsernde Zusammenarbeit entstanden?
Claudia Stöckl: Finanz-Expertin Karin Brauneis, ebenfalls sehr sozial engagiert und im Vorstand von „Zukunft für Kinder“, hatte geschäftlich Kontakt mit Frau Luise Köfer von Vinoble-Kosmetik und diese Kooperation angeregt. Nun dürfen wir uns freuen, pro verkaufter Creme einen Prozentsatz unseren Kindern zukommen zu lassen. Dafür möchten wir uns ganz herzlich bedanken!
WellHotel: Wie haben Sie Ihre Model-Zeit empfunden?
Claudia Stöckl: Als reiselustiger Mensch konnte ich diese Lebensphase sehr genießen. Jeweils für längere Zeit in Großstädten wie Paris, London, Madrid, München und Los Angeles zu leben prägte die Persönlichkeitsbildung, daneben konnte ich meine Sprachkenntnisse in Französisch, Englisch und Spanisch perfektionieren.
WellHotel: Sie sind mit vier Geschwistern aufgewachsen – selbst nie den Wunsch gehabt, eine Familie zu gründen?
Claudia Stöckl: Ja, natürlich, den Wunsch gab es immer wieder. Manchmal scheiterte es am nicht vorhandenen Kinderwunsch des Partners, oder ich war gerade arbeitsmäßig extrem eingesetzt und dachte – wie so viele – jetzt wäre nicht der richtige Moment. „Es hat sich nicht ergeben“, klingt etwas floskelhaft, aber es war tatsächlich so.
WellHotel: Welche Charaktereigenschaften sprechen Sie an?
Claudia Stöckl: Intelligenz, Zielstrebigkeit, Einsatzfreude, Empathie, Mitgefühl, Gelassenheit, Großzügigkeit, Idealismus.
WellHotel: Wer oder was fasziniert und berührt Sie?
Claudia Stöckl: Alle, die nach Höherem streben und durch bedeutende, schmerzvolle oder Glaubens-Erfahrungen gleichzeitig Tiefe haben. Pater Sporschill zum Beispiel. Der Benediktinermönch David Steindl-Rast. Schriftsteller Michael Köhlmeier, als er in meiner Sendung über den Verlust seiner Tochter gesprochen hat. Herbert Grönemeyer, gewandelt durch den Tod seiner Frau.
WellHotel: Ausflüge vor die Kamera (wie Opernball, Life-Ball, Amadeus, Romy-Gala) – nur eine willkommene Abwechslung oder Lust nach mehr?
Claudia Stöckl: Natürlich immer Lust nach mehr – Fernsehen ist ein spannendes Medium, und es wäre interessant, eine Talksendung wie „Frühstück bei mir“ einmal im TV zu präsentieren. Vielleicht arbeite ich einmal ein Konzept aus.
WellHotel: Beide Schwestern im ORF – wie ist das Verhältnis zwischen Ihnen und Barbara?
Claudia Stöckl: Wunderbar. Wir haben ähnliche Erlebniswelten, können einander gut helfen, tauschen auch fachlich Anregungen, Ideen und manchmal konstruktive Kritik aus, sind aber vor allem Schwestern, die in großer Liebe verbunden sind und sich um das Wohl unserer Familie bemühen.
WellHotel: Sie strahlen Stärke, Ruhe und Gelassenheit aus – wobei entspannen Sie, laden Ihre Batterien auf, beziehen Sie die Energie?
Claudia Stöckl: Danke, dass Sie mich in so einem freundlichen Licht sehen ... Ich beziehe meine Energie zuallererst aus meinem Tun und der Überzeugung, sowohl bei meiner Arbeit für Ö3 als auch meinem Hilfsprojekt in Kalkutta für mich das genau Richtige zu tun, das auch einer Gemeinschaft dient. Ich finde es wichtig dazu beizutragen, dass es anderen Menschen besser geht – das ist doch der Sinn des Lebens, meiner Meinung nach. Eine gelungene Sendung und viele Hörerreaktionen, Begegnungen mit Menschen, die mich berühren und inspirieren, beruflich wie privat, Momente mit meiner Familie und in der Natur bauen mich auf. Und ich bin ein gläubiger Mensch und gehe möglichst einmal in der Woche in die Messe. Die Kraft des Gebetes ist eine vielfach unterschätzte, unendlich große Kraft.
Zur Person – Claudia Stöckl: 1966 als vierte von fünf Geschwistern in Wien geboren, Matura mit Auszeichnung, Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaften in Kombination mit Politikwissenschaft und Französisch. Publizistik 2006 mit dem Bakkalaureat abgeschlossen.
1987 bis 1990 Fotomodel (Elle, Cosmopolitan, Marie Claire) mit Wohnsitz in Paris, mehrmonatige Aufenthalte in London, Madrid, München, Los Angeles. Perfektionierung der Französisch-, Englisch- und Spanischkenntnisse.
Reporterin / Redakteurin / Journalistin bei der „Neuen Krone Zeitung“, Diva, Ego, Wohnen, News Ressort „Leute“, Publikationen u. a. im Standard und Diners Club Magazin.
1992 Start als Radioreporterin, Moderation der Tomy-Gala, Interviewerin beim Life-Ball und Amadeus, TV-Moderation des Opernballs, zahlreiche Bühnenmoderationen.
2006 Beginn der ehrenamtlichen Tätigkeit für den Verein „ZUKI – Zukunft für Kinder“, Fundraising-Arbeit in einem Hilfsprojekt in Kalkutta.
2008 Teilnahme bei „Dancing Stars“.