
WellHotel 19 Hotellerie | Gastronomie | Tourismus [ Südtirol – eine Analyse ] ››››› Neben diesen grundsätzlichen Aussagen baut Südtirols Tourismus auf folgenden Stärken auf: • Die Kleinstrukturiertheit des An- gebots: Den vielen fleißigen und begeisterten Gastgeberfamilien gelingt es durch eine sehr indivi- duelle Gastlichkeit, die Gäste emo- tional zu binden. • Das wirklich exzellente kulinari- sche Angebot am Schnittpunkt von zwei Kulturen. • Die guten Leitbetriebe, die vielen spezialisierten Betriebe wie Fami- lien-, Bike- und Wanderhotels. • Eine starke Entwicklung nicht nur im 4-Sterne-, sondern auch im 3-Sterne-Segment. • Neben dem guten Winterangebot das dichte und attraktive Spazier- und Wanderwegenetz verbunden mit Aufstiegsanlagen, die die Gäs- te ins Mittelgebirge bringen. Natürlich muss man bei den Stärken auch die Südlage der Alpen, diese glückliche Mischung zweier Kulturkreise (mediterran / alpines Flair), die besondere Schönheit der Natur- und Kulturlandschaftsbilder – allen voran die zum Weltnatur- erbe erhobenen Dolomiten – und die touristisch sehr attraktiven Landschaftsformen (Wein – Obst – Almen) erwähnen. Diese Stärken Südtirols werden in einer sehr professionellen Art und Weise von der SMG, den touris- tischen Organisationen und von den Betrieben vermittelt. | „Das Glück den Tüchtigen“ | Süd- tirol hat aber auch sehr viel Glück gehabt: In den 80iger und 90iger Jahren profitierte Südtirol immer wieder von der Lira-Abwertung. Als in den 90iger Jahren die Nachfrage von den deutschen Gäs- ten sank, nahm die Nachfrage von italienischen Gästen fast gleich stark zu (ca. 46 % der Südtirol- Nächtigungen werden heute von deutschen Gästen und ca. 37 % von italienischen Gästen verzeichnet – in den 90iger Jahren lag der Anteil der deutschen Gäste noch bei über 60 %). Die starke Zunahme der Italiener ist neben dem sehr guten Südtiro- ler Angebot aber auch auf sinken- de Qualität in vielen italienischen Bergdestinationen wie Madonna die Campiglio, Bormio etc. zurückzu- führen. „Glück“ hat Südtirol auch mit den oben erwähnten „gottgegebe- nen Vorteilen“ wie die wetterbe- günstigte Südseite der Alpen, die zwei Kulturen, die Weinlandschaft etc. Auf Südtirol trifft sicherlich das Sprichwort: „Das Glück der Tüchti- gen“ zu. | Keine Schönfärberei | Südtirols Tourismus hat natürlich auch seine Probleme. So steigt auch in Südti- rol das Problem, qualifizierte Mit- arbeiter zu finden. Die Anzahl der einheimischen Mitarbeiter, die im Tourismus arbeiten wollen, sinkt kontinuierlich (um das „Südtiroler Lebensgefühl“ zu transportieren, sind aber einheimische Mitarbeiter wesentlich). Die Verkehrs- und Transitbelas- tung sowie die Erreichbarkeit: Bei immer kürzer werdenden Aufent- halten spielt die Anfahrtszeit eine wesentliche Rolle. Südtirol liegt nicht im unmittelbaren Einzugsbe- reich von Ballungszentren. Südtirols Betriebe sind mit ei- ner durchschnittlichen Betriebs- größe von 35 Gästebetten – auch im Vergleich zu den Nachbarländern – klein: Zu viele Betriebe verfü- gen über Nebeneinrichtungen aber nicht über die – aus betriebswirt- schaftlichen Überlegungen – not- wendige Bettenkapazität. | Fazit | Südtirols Tourismusent- wicklung ist sicher eine Erfolgsge- schichte, die fortgeschrieben wer- den kann. Voraussetzung hierfür ist das konsequente Setzen auf einen selbstbestimmten Tourismus, der auf familiengeführten Betrieben und dem mittelständischen Un- ternehmertum als Motor der wirt- schaftlichen Entwicklung aufbaut. Ein Lehrbeispiel für andere Länder und Destinationen. Nähere Informationen: Dr. Alois Kron- bichler | Kohl & Partner Tourismusbera- tung Südtirol | I-39030 Gais | Tel. & Fax: 0039 0474 504100 | E-Mail: suedtirol@ kohl.at