Reisestromanalyse von 1998 bis 2008 zeigt deutschsprachige Alpenländer im Wettstreit

Die Österreichische Hoteliersvereinigung (ÖHV) verglich, wie sich die Ankünfte in Österreich, Südtirol und der Schweiz in den vergangenen zehn Jahren entwickelt haben. Nicht nur der BIP-Anteil von 8 % beweist dabei den hohen Stellenwert des Tourismus für Österreichs Wirtschaft, auch der im internationalen Vergleich hohe Anteil der Tourismusexporte am BIP in der Höhe von 5,21 % unterstreicht die Bedeutung dieses Wirtschaftszweigs. Zum Vergleich: In der Schweiz liegt der BIP-Anteil mit 2,93 % deutlich darunter, in Italien macht er 2,01 % aus und in Deutschland 1,10 %. Ein weiteres Ergebnis der Analyse: Während die Schweiz im Untersuchungszeitraum klar deutsche Urlauber an Südtirol verloren hat, konnte Österreich seinen Marktanteil stabil halten.

Die Österreichische Hoteliersvereinigung hat analysiert, wie sich Österreichs Tourismus im internationalen Vergleich entwickelt hat. Um Verzerrungen zu vermeiden, wurden ähnlich strukturierte Märkte verglichen: die deutschsprachigen Alpenländer Österreich, Südtirol und die Schweiz. Untersucht wurden die Ankünfte aus den wichtigsten Quellmärkten – konkret aus Österreich, der Schweiz, Italien, Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Großbritannien und den USA. Dargestellt wurde, wie sich die Gäste aus diesen Quellmärkten im Jahr 1998 auf diese drei Zielmärkte verteilten und wie sich diese Verteilung in den vergangenen zehn Jahren veränderte.

Österreich punktet bei den Deutschen. Den Deutschen ist Österreich mit Abstand das liebste der untersuchten Urlaubsziele:  69,74 % der Deutschen, die im Alpenraum urlauben, kommen nach Österreich. Auf den Rängen folgen die Schweiz mit 15,27 % und Südtirol mit 14,99 %. Während die Schweiz im Untersuchungszeitraum klar an Südtirol verloren hat, konnte Österreich seinen Marktanteil stabil halten. 

In den Sommermonaten 2009 hat Österreich bei den Ankünften aus Deutschland sogar wieder zugelegt, sie nahmen um 1,3 % zu. 

Niederländer in Österreich „Hartelijk welkom!“ Dasselbe gilt für die Niederländer: Auch im Wettlauf um die Gäste aus dem zweitwichtigsten Quellmarkt hat Österreich die Spitzenposition gehalten und lag im Vorjahr mit 76,44 % noch deutlicher vor den Verfolgern als im Rennen um den deutschen Gast. Den niederländischen Alpenurlaubern war die Schweiz mit 19,44 % im Vorjahr das zweitliebste Reiseziel. Für Südtirol sind die Niederlande mit 4,42 % zwar ein kleiner Markt, doch konnte hier Boden gutgemacht werden. 

Im in heurigen Sommermonaten verzeichnete Österreich ausgehend von der Top-Position bei den Niederländern einen weiteren Wachstumsschub: Die Ankünfte aus den Niederlanden nahmen zwischen Mai und September trotz Krise um weitere 1,4 % zu. Interessant sind die niederländischen Gäste auch aufgrund ihrer hohen Aufenthaltsdauer – mit 5,8 Tagen mit Abstand die höchste unter allen Gästegruppen. Im Vergleich dazu: Der inländische Österreich-Urlaub dauert im Durchschnitt 3,2 Tage. 

Briten bevorzugen die Schweiz. Reisen die Briten traditionell am häufigsten in die Schweiz, liegt Österreich mittlerweile gleichauf mit den Eidgenossen. Nicht bedeutend ist Südtirol mit dem großen Nachteil, dass keine Charterflieger aus England in Südtirol landen können. In absoluten Zahlen haben aber alle drei Zielmärkte stark gewonnen. 

Der Winter 2008/09 war währungsbedingt schwierig, Österreich verzeichnete einen Rückgang der Ankünfte von 16,2 %, die Schweiz von 17,5 %, Südtirol von 7,3 %. Auch im Sommer wurden Rückgänge festgestellt: Nach Österreich kamen zwischen Mai und September 2009 im Jahresvergleich um 19,9 % weniger britische Gäste, nach Südtirol um 9,7 % zwischen Mai und August (aktuellste verfügbare Daten lt. Statistik Südtirol) weniger und in die Schweiz um 16,8 %.

Franzosen: EU-Boykott hängt nach. Die Franzosen fahren, bedingt wohl auch durch die Nähe und die teilweise gleiche Sprache, am liebsten in die Schweiz, gefolgt von Österreich. Allerdings gab es infolge der ÖVP/FPÖ-Regierung und dem damit einhergehenden EU-Boykott einen deutlichen Rückgang, der trotz zwischenzeitlicher Steigerungen nicht mehr aufgeholt werden konnte. Besonders wichtig ist der französische Gast für Tirol, wo nicht weniger als 54 % der französischen Gäste den Urlaub genießen.

US-Bürger – Dollar-Schwäche landauf, landab. Auch das Lieblingsreiseziel der US-Bürger ist die Schweiz. Aufgrund der Dollarabwertung gab es jedoch starke Einbrüche auf allen europäischen Märkten. Die Zahl der Ankünfte aus den USA war die einzige, die in den vergangenen zehn Jahren rückläufig war – und zwar deutlich: Während die Ankünfte aus den anderen sieben Herkunftsmärkten in den vergangenen zehn Jahren um 27 % zunahmen, gingen die Ankünfte aus den USA um 25,5 % zurück. Kein einziger der drei Zielmärkte verzeichnete 2008 mehr US-Ankünfte als 1998. Den geringsten Rückgang bei den US-Ankünften mit minus 1,64 % verzeichnete Südtirol – freilich bei einem Marktanteil von gerade einmal 1,49 % im Jahr 1998.

Stärke Heimmarkt: Österreich weit vorne, Südtiroler gewinnen daheim dazu. Wenn Urlaub in den Alpen, dann im eigenen Land – das zeigt die Analyse der Reisegewohnheiten von Schweizern, Österreichern und Italienern gleichermaßen. Sowohl die Schweizer als auch die Italiener bevorzugen nach dem eigenen Land Österreich: Den Topwert auf dem Heimmarkt verzeichnet Österreich mit 96,33 %. 1,96 % fahren nach Südtirol, 1,71 % in die Schweiz. Im Vergleich der Heimmärkte liegt Österreich stabil. An Attraktivität für die eigenen Landsleute verloren hat die Schweiz, die jetzt bei 86,28 % liegt. Südtirol hat auf dem italienischen Markt deutlich gewonnen und liegt bei 57,1 %. Auch beim Austausch untereinander hat Österreich die Nase vorne: Bei den Schweizern liegt Österreich mit 11,2 % Marktanteil vor Südtirol mit 2,5 %, bei den Italienern mit stolzen 28 % vor der Schweiz mit 15 %. 

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