Johann Lafer – kochender Österreicher als Überflieger im deutschen TV
WellHotel: Sie wurden in der Nähe von Graz geboren, sind Botschafter der Steiermark und erhielten 2007 den Josef-Krainer-Preis, eine der wichtigsten Ehrungen des Landes. Sind Sie in Ihrer Seele der „Steirer Bua“ geblieben?
Johann Lafer: Ich finde es selbstverständlich, dass man seine Heimat hoch achtet. Kindheitserinnerungen sind ungeheuer wichtig, jedoch sind zu den damaligen Gedanken des „Steirer Bua“ einige spannende, neue dazugekommen.
WellHotel: Was hat Sie veranlasst, Ihren Lebens- und Karrieremittelpunkt nach Deutschland zu verlegen?
Johann Lafer: Als ich nach meiner Ausbildung nach Deutschland kam, gab es dort größere Chancen, sich selbst weiter zu entwickeln. Auf diesem Weg habe ich meine Frau gefunden und mit ihr in (damals) ihrem Restaurant meine Karriere begründet. Mein Herz schlägt dort, wo meine kleine Familie ist.
WellHotel: Eine namhafte Illustrierte kürte Sie zum „Besten Fernsehkoch im deutschen TV“. Worin liegt der Reiz, mit dem Kochlöffel für die Kamera zu kokettieren?
Johann Lafer: Es ging mir von Anfang an darum zu zeigen, was echte Küche ausmacht. Das Produkt ist der Star und wir haben alle Möglichkeiten, sorgsam und kreativ damit umzugehen. Ich möchte vermitteln, dass Kochen und Genießen sinnliche Erlebnisse sind.
WellHotel: Wie viel Show braucht der Mensch?
Johann Lafer: Seitdem mit mehr „Show“ gekocht wird, schauen die Menschen eher zu. Ich bin sicher kein Showmaster oder Comedian, aber die lockere Atmosphäre gefällt mir. Sie zeigt, dass gemeinsames Kochen Freude macht. Man darf dabei nur das Wesentliche nicht vergessen.
WellHotel: Der verbale Schlagabtausch mit Kollegen (hier sei vorrangig Horst Lichter genannt) erinnert schon an legendäre Farkas-Waldbrunn-Schmankerln. Setzt sich dieser Wortwitz auch jenseits des Scheinwerferlichts fort?
Johann Lafer: Ja, in jedem Fall! Horst spielt nicht, er ist so! Ich schätze ihn außerdem als einen der liebenswürdigsten und ehrlichsten Menschen, die ich kenne.
WellHotel: Wie definieren Sie typisch österreichische Küche bzw. kochen österreichische Köche anders?
Johann Lafer: Österreichische Köche kochen nicht anders. Allerdings ist die österreichische Köche reicher an traditionellen Gerichten. Jede Region hat zahlreiche Spezialitäten, und dadurch, dass es in Österreich viele, gute landwirtschaftliche Erzeuger gibt, finden Köche hier ein Produkte-Paradies vor.
WellHotel: Wie gerne isst ein Koch selbst – und wo können Sie persönlich (selbstredend kulinarisch) nicht widerstehen?
Johann Lafer: Es gibt keinen guten Koch, der nicht gerne isst! Wir probieren viel, und bei guten Produkten in feinster Zubereitung kann ich selten widerstehen. An tollen Nachspeisen, hauptsächlich mit Schokolade, komme ich nie vorbei.
WellHotel: Ihr Unternehmens-Ensemble, das Restaurant „Le Val d’Or“, Bistro „d’Or“ sowie das „Stromburg Hotel“, ist nicht zuletzt dank des TV-Bonus stark frequentiert. Bekommt Sie Otto Normalverbraucher hier überhaupt noch zu Gesicht?
Johann Lafer: Selbstverständlich. Meist werden am Tag mehrere Sendungen aufgezeichnet, so dass ich sehr viel Zeit in meinen Unternehmen verbringe.
WellHotel: Welche Ihrer zahlreichen Auszeichnungen und „Trophäen“ hat für Sie den größten ideellen Wert?
Johann Lafer: Jede Auszeichnung ist ein besonderer Moment für sich. Deswegen möchte ich da keine Wertung abgeben.
WellHotel: Sie haben 2002 den Hubschrauber-Pilotenschein erworben und die Firma „Heli Gourmet“ gegründet. Wie darf man sich Johann Lafer als fliegenden Feinspitz vorstellen?
Johann Lafer: So, dass ich meine beiden Leidenschaften, das Kochen und das Fliegen, miteinander verknüpft habe. Ich fliege mit meinen Gästen zu kulinarischen Highlights, zu lieben Kollegen oder zum legendären Heli-Gourmet-Picknick in einem Weinberg auf den Anhöhen des Mittelrheins.
WellHotel: Gault-Millau-Hauben, Michelin-Sterne, Awards und Medaillen – welche Auszeichnung setzt Ihrer Meinung nach handwerklichem Koch-Können die ultimativ goldene Krone auf?
Johann Lafer: Dazu kann ich nichts sagen. Die Führer haben natürlich ihre Daseinsberechtigung, wobei mir alle Bewertungskriterien nicht bekannt sind. Die glücklichen Augen meiner Gäste sind meine höchste Anerkennung!
WellHotel: Ihr Motto lautet, für den guten Geschmack zu leben. Wo stößt dieser für Sie – nicht nur auf die kulinarische Ebene beschränkt – an seine Grenzen?
Johann Lafer: Kulinarisch stößt er an die Grenzen, wenn man Lebensmittel „misshandelt“ und nicht achtsam damit umgeht. Menschlich kann ich Rücksichtslosigkeit, gepaart mit Egoismus, Prahlerei, mangelnder Herzenswärme und schlechtem Benehmen anderen gegenüber kaum ertragen.
