Von den Stars der Tourismusszene oder krisenfesten Lederbällen

Leitartikel von Michael Klimesch

Man kennt sie alle, die Stars der Szene. Jene Hoteliers, die seit langem an der absoluten Spitze stehen und jede Krise oder Schlechtwetterperiode mit links und ohne jeglichen Nächtigungseinbruch meistern. Selbst wenn sie Häuser erwerben, die zuvor eine geringere Auslastung hatten als ein Eishotel in der Sahara, führen sie diese binnen kurzer Zeit in touristische Höhen. Eine Frage muss – gerade in Krisenzeiten – gestattet sein: wie machen die das?

Wie in der gesamten vielschichtigen Hotellerie gibt es natürlich auch in diesem Fall keine eindeutige Antwort. Aber sehr wohl Ansätze, welche für jeden Hotelbetrieb positive Wirkungen erzielen. Am wichtigsten erscheint ein stimmiges Gesamtkonzept, also eine gelungene Mischung aus Architektur, Ausstattungsqualität, Spitzenpersonal und hotelspezifischen Zusatzfeatures. Oftmals genügt dabei nur ein Rückblick auf seine eigenen Urlaubserinnerungen. Wie oft hat man sich geärgert, weil in einem wunderschönen Hotel das Service alles andere als wunderschön war. Oder man relaxte in einem nagelneuen Wellnessbereich, ohne sich so richtig wohlzufühlen. 

Irgendetwas fehlte. Und genau dieses irgendetwas macht oft den feinen Unterschied aus. Nur wenn der Tourismusbetrieb jede noch so kleine Schwäche ehrlich erkennt und auszumerzen versucht, kann ein langfristiger Erfolg garantiert werden. Als Gast stellt sich das Wohlfühlen nämlich oft schon nach den ersten Schritten in ein Hotel ein: manchmal reicht ein nettes Wort zur Begrüßung, ein ansprechendes Entree oder ein spektakuläres Detail, um fröhlich in den Urlaub zu starten.

Von den Besten kann jeder Betrieb auch eine ganz klare Profilierung lernen. Wellness wurde bereits zum Standard, ohne den niemand mehr auskommen kann. Ein erfolgreiches Hotel wird also mehr benötigen: modernes Design, biologische Küche, Outdoor-Programme mit Mehrwert oder gebietsspezifische Spezialangebote. 

Dass der Gast immer kritischer wird, ist so sicher wie ein Ausscheiden des österreichischen Nationalteams bei einer Großveranstaltung. Doch genauso wie im ÖFB-Team können kleine Stärken ausgebaut und so der Weg an die Spitze geebnet werden. Eine klare Taktik ist hier vonnöten. Der Gast will mehr, er möchte wissen, was ihn in seinen wichtigsten Wochen des Jahres genau erwartet. Je genauer das ein Hotel beschreiben kann, desto größer wird der Erfolg sein. Vertrauen Sie auf Ihre Stärken, suchen Sie Nischen, dann wird sogar einmal Österreich die Spanier schlagen können.  

Die bewusste Abgrenzung vom Mainstream haben schon Experten lange vor der Wirtschaftskrise gepredigt, erst jetzt werden diese aber vermehrt erhört. Eine klare Markenstruktur, ein exakt auf die Stärken und Besonderheiten des Hauses und der Hoteliersfamilie definiertes Profil, eine optisch außergewöhnliche Werbung sowie das Ausschöpfen moderner Internetoptionen sind das Gebot der Stunde. Auch hier gilt: dies allein ist nur – im wahrsten Sinne des Wortes – die halbe Miete. Erst gepaart mit einem schlüssigen und vor allem ganzheitlichen Hardware- und Softwarepaket wird der Erfolg ungebremst sein. Krise hin, Krise her.

Um nun die Eingangsfrage zu beantworten: die Stars der Szene sind auch keine Zauberer, nur beachten sie die Grundsätze peinlich genau und sorgen für ein harmonisches Ganzes, welches ständig adaptiert und erneuert wird. Es passt einfach alles, vom Personal über die Zimmer, bis hin zu Wellness, Beauty und Freizeitangebot. Klingt einfach, ist es aber nicht. Doch man kann nach einem genauen Plan täglich besser werden. Wobei wir wieder beim Fußball sind. Nicht die elf besten Spieler der Welt werden automatisch Weltmeister, sondern jene, die neben der spielerischen Qualität auch am besten zusammenpassen.