Wellness oder Weltness – der internationale Siegeszug eines Trends
Leitartikel von Michael Klimesch
Ein neues Fünf-Sterne-Spa-Resort auf Kos? Ganzjahres-Wellnesshotels in Kroatien? Spa-Treatments über den Wellen des maledivischen Meeres? Das sind nur wenige Beispiele von neuen Wellnessmöglichkeiten rund um den Erdball. Und wohl der endgültige Beweis, dass Wellness und Beauty keineswegs am absteigenden Ast sind, sondern angesagter als je zuvor. Kaum ein Tag in der WellHotel-Redaktion, an dem nicht eine Pressemitteilung über ein frisch eröffnetes Wohlfühl-Resort im Postkasten liegt. Denn selbst in den bekanntesten Sommerdestinationen der Welt reichen Sonne, Meer und guter Wein nicht mehr aus, automatisch die Betten zu füllen. Sondern setzen immer mehr Touristiker auf Wellness – die Weltness hat sich etabliert, um ein neues Kunstwort in den Raum zu stellen.
Mensch im Mittelpunkt. Wie oft schon wurde der Wellnesstrend bereits für tot empfunden, wie oft wollten selbsternannte Experten sein Ende eingeläutet – alles Blödsinn. Er lebt wie noch nie, und das hat einen ganz einfachen Grund. Weil in der Wellness-Welt immer der Mensch im Mittelpunkt steht, gibt es beinahe unerschöpfliche Möglichkeiten, diesem etwas Gutes zu tun. Genauso unerschöpflich wie der Mensch eben ist. In Ansätzen haben das Vorreiter wie die Hoteliers Karl Reiter oder Werner Kostenzer schon vor Jahrzehnten begriffen und auf das richtige Pferd gesetzt – der Erfolg gibt ihnen auch heute noch recht. Wie kann aber nun die mitteleuropäische Hotellerie diesen weltweiten Siegeszug noch besser nützen?
Stärken stärken. In einem Punkt haben die Wellnesskritiker zweifellos recht. Eine Sauna macht noch kein Relax-Resort, ein Whirlpool taugt nicht zur Bewerbung als Riesen-Wasserfläche. Vielmehr muss neben einem ausgewogenen und breiten Angebot auch die Spezialisierung auf Stärken seriös durchgeführt werden. Viel wurde bereits getan: die Rückbesinnung auf die heimische Natur bei Kosmetiklinien, bei Behandlungen mit langer heimischer Tradition oder bei der Auswahl der Baumaterialien, welche nicht aus Argentinien eingeschifft werden, sondern in der Umgebung vorkommen. Doch es ist noch viel mehr möglich. Klar strukturierte Angebote für Kinder, Verliebte, Singles, Freundinnen, Schwangere, Wanderer, Fischer, Sportler, Kranke, Designfreunde, stylische Menschen, ruhige Gäste ..., die Auswahl ist in Mitteleuropa fast grenzenlos. Deshalb hat jedes Hotel noch viele Chancen, sich vom internationalen und nationalen Mitbewerber abzugrenzen. Die Ressourcen der „Erholungswelt Alpen“ sind jedenfalls enorm. Deshalb hat Wellness noch lange nicht ausgedient.
Ehrliche Freundlichkeit. Die größte Wohlfühleinrichtung für die Gäste wird jedoch oftmals vergessen – die ehrliche, ungekünstelte Gastfreundschaft. Wobei das Wort an sich missverständlich ist. Man muss keine Freundschaft zu jedem Gast aufbauen, das wäre ja unnatürlich. Aber eine ehrliche Freundlichkeit, ein nettes Wort zur Begrüßung – das schätzt jeder Tourist.
Keine kitschige und aufgesetzte Lederhosenidylle, sondern urige Präsente aus der Umgebung des Hotels, das ist das Gebot der Stunde. Und wenn der Gast dann auch noch bei Wellnessanwendungen den Flair und die Geschichte seiner Urlaubsdestination inhalieren kann, dann ergibt sich eine Nachhaltigkeit, die zum Erfolg führt. So gesehen hat die heimische Hotellerie gegenüber den Malediven nicht den Nachteil, keine Strände und Meere bieten zu können. Sondern den Vorteil, aus einem „Mehr“ an Angeboten spezielle Pakete schnüren zu können. In einer Welt, in der Spezialisierung immer wichtiger wird, definitiv keine schlechte Ausgangsposition.