„Die Saat meiner Eltern ist aufgegangen“
Renate Linser im Gespräch mit Balthasar Hauser
Im persönlich-freundschaftlichen Interview mit WellHotel-Redakteurin Renate Linser-Sachers spricht Balthasar Hauser über seine Philosophie, seine Familie und das Gefühl, daheim im Stanglwirt zu sein.
WellHotel: Wie fühlt man sich mit 400 Jahren positiver Familien-„Last“ auf dem Buckel?
Balthasar Hauser: Sehr gut, weil ich mit Freude sehe, dass die Saat meiner Eltern aufgegangen ist und ich in ihrem Sinne mein Erbe angenommen und fortgeführt habe. Ein Segen über die vielen Jahre hinweg war natürlich die bedingungslose Rückendeckung meiner Frau Magdalena und nun die Tatsache, dass unsere drei Kinder, Maria, Elisabeth und Johannes, alle schon in den Betrieb involviert sind.
WellHotel: Glauben Sie, ein übermächtiger Über-Vater zu sein?
Balthasar Hauser: Durch die fundamentierte Ausbildung meiner Kinder sind wir ebenbürtige Gesprächspartner.
WellHotel: Baut der Stanglwirt um oder dazu, erfüllen Sie in einer Person die Funktionen des Bauherrn, Planers und Aufsichtsorgans. Was motiviert Sie, am liebsten alles selbst zu machen?
Balthasar Hauser: Meine Devise heißt „Wachsen und Werden lassen!“ – „Mit dem Werden so geworden!“
WellHotel: Reinhard Stocker hat in seinen über 20 Jahren als Stangl-Direktor den Promizuwachs forciert. Mittlerweile geht das Who’s who mit einem Selbstverständnis ein und aus. Wie leben Sie mit dieser Entwicklung?
Balthasar Hauser: Auch wenn es banal klingen mag – bei uns ist jeder Gast ein Ehrengast. Wenn prominentere Besucher ihre Ruhe haben wollen, wird das akzeptiert. Daheim im Stanglwirt zu sein bedeutet, sich einfach nur rundherum wohl zu fühlen.
WellHotel: Sie haben „Bio“ schon kompromisslos praktiziert, lange, bevor es zum (oft zweifelhaften) Boom wurde. Sie haben die gesunde Wirkung des Zirbenholzes auf den Menschen gespürt, Jahrzehnte bevor dies wissenschaftlich erwiesen war. Woher kamen Ihre offensichtlich untrüglichen Intuitionen?
Balthasar Hauser: Baubiologie ist überprüfbar im Gegensatz zur biologischen Ernährung!
WellHotel: Der Stanglwirt ist längst zur Marke geworden, die eigene Landwirtschaft ist Teil der Wertschöpfungskette. Was wird alles „made by Stangl“ produziert?
Balthasar Hauser: Der gesamte Stanglwirt-Komplex (rund 120.000 Kubikmeter umbauter Raum) wird mit Biomasse beheizt – Rinde und Holz, vorwiegend vom benachbarten Sägewerk, sorgen für eine gesunde Wohlfühlwärme.
In unserer eigenen Käserei werden 140 Tonnen Milch zu Topfen, Joghurt, Butter und Käse verarbeitet. Über 80 Tonnen Fleisch und Fleischprodukte verlassen die hausinterne Metzgerei, allzeit frisches Brot wird in der Stangl-Bäckerei produziert. Weiters haben wir eine Haus-Tischlerei und einen eigenen Bautrupp.
WellHotel: Vor einigen Jahren sorgten Sie mit Ihrem Wasser-Euro für einen Wellenschlag. Haben sich die Gemüter wieder beruhigt oder haben Sie in der Branche gar Nachahmer gefunden?
Balthasar Hauser: „Was nix kostet, ist nix wert“, das haben auch andere erkannt!
WellHotel: Widmen Sie dem Thema „Hofübergabe“ bereits hie und da ein paar Gedanken?
Balthasar Hauser: Wer nicht an die Zukunft denkt, wird auch keine haben.
WellHotel: Im November wird der Stangl-Geburtstag offiziell gefeiert. Wie darf man sich dieses Jubiläums-Event vorstellen?
Balthasar Hauser: Als Zeitreise in das 16. Jahrhundert.
WellHotel: So frei nach dem geflügelten Satz „Venedig sehen und sterben“ – wo haben Sie Ihr ganz persönliches Überdrüber-Plätzchen gefunden?
Balthasar Hauser: Einen guten Schwammerlplatz verrät man nicht!
WellHotel: Sie haben so ziemlich alles im Leben erreicht: eine intakte Familie, Gesundheit, ein Imperium mit Weltruhm. Welchen Wunsch möchte sich ein Mann Ihres Kalibers noch erfüllen?
Balthasar Hauser: Gebraucht zu werden!