Hotelsterne werden ab 2010 neu vergeben

 

Neue Klassifizierung

Die vergangenen Jahre waren aufgrund der neuen technologischen Möglichkeiten – wie zum Beispiel der Bewertungs- und Buchungsplattformen im Internet – von einer massiven Veränderung in der Bewerbung, Qualität und Beherbergung gekennzeichnet. Auch der Hotelgast ist mobiler und internationaler geworden. Die Hotelverbände Österreichs, der Schweiz und Deutschlands haben diese Herausforderungen angenommen und gemeinsam einen neuen Sternekatalog erarbeitet, der in Zukunft auf internationale Akzeptanz und Qualifizierung für die heimischen Hotelbetriebe setzt.

 

Dreiviertel aller Hotels beteiligen sich. Die österreichischen Beherbergungsbetriebe sind Gastgeber für über 31 Millionen Gäste jährlich; davon kommen 73 % aus dem Ausland und 27 % aus dem Inland. Die österreichischen Hoteliers sind mitverantwortlich für den hohen Qualitätsstandard des heimischen Tourismus und richtungsweisend für den Europäischen Qualitätstourismus. Die Hotelsterne sind das Gütesiegel der klassifizierten Betriebe und versprechen eine bestimmte Leistung zu einem bestimmten Preis.

Sie unterstützen die Gäste und Reiseveranstalter vor allem bei der Auswahl der Unterkunft, und die jeweilige Anzahl der Sterne am Beherbergungsbetrieb sind ein Qualitätsversprechen des Hoteliers an den Gast. Die Hotelklassifizierung gilt in ganz Österreich und wird derzeit von ca. 51 % aller Beherbergungsbetriebe – 76 % aller Hotels – auf freiwilliger Basis in Anspruch genommen. Sie ist eine Service-Leistung der Interessensvertretung: die Ein- bis Vier-Sterne und Vier-Sterne-Superior-Betriebe werden von den Fachgruppen im jeweiligen Bundesland betreut, die Fünf-Sterne-Betriebe zentral vom Fachverband Hotellerie in Wien. Die Durchführung des Verfahrens erfolgt durch unabhängige Klassifizierungskommissionen. 

 

Die Erfolgsgeschichte der Hotelsterne. Österreich war neben der Schweiz das erste Land in Europa, in dem Mitte des vorigen Jahrhunderts der beginnende Wintertourismus gezielt beworben wurde. In diesem Zusammenhang wurde in den 50er-Jahren eine Bewertung der Hotelbetriebe ins Leben gerufen – anfänglich noch mit Großbuchstaben von A bis D für die einzelnen Kategorien. Diese Buchstabenfolge setzte sich beim internationalen Hotelgast aber nicht durch. Mit 1. 1. 1984 sind dann die derzeitigen Richtlinien mit dem Ein- bis Fünfsternesystem in Kraft getreten und die Hotelsterne seit nunmehr 25 Jahren eine geschützte Marke. Markeninhaber ist der Fachverband Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich.

Mit Beginn des nächsten Jahres gelten für die Vergabe der begehrten Sterne in der Hotellerie neue, einheitliche Kriterien. 30 Prozent des bisherigen Kategoriesytems wurde dafür verändert. Erarbeitet wurde dieses Projekt gemeinschaftlich vom Fachverband Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich, dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA), dem Hotelverband Deutschland (IHA) und hotelleriesuisse (Schweizer Hotelier-Verein), wobei die Schweiz die neue Klassifierung erst bis 2011 umsetzen wird.

 

Mehr Transparenz. „Dieser Erfolg ist für uns ein erster Meilenstein auf dem Weg hin zu mehr Transparenz und Sicherheit für den Hotelgast in Europa“, zeigt sich Klaus Ennemoser, Obmann des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich, mit dem bisher Erreichten zufrieden. „ Die bestehende Hotelklassifizierung hat ein Ablaufdatum. Deutschland und Österreich haben einen im internationalen Vergleich sehr hohen Qualitätsstandard in jeweils vorwiegend mittelständisch geprägten Hotelmärkten. Wenn nicht uns – bei aller Unterschiedlichkeit der bisherigen Klassifizierungssysteme – eine Vereinheitlichung der Kriterien gelungen wäre, wo sonst in Europa?“

In Europa haben nur die Slowakei und Finnland keine Klassifizierung. In 13 Ländern, wie etwa in Frankreich, ist diese sogar gesetzlich vorgeschrieben. 

Helmut Otto, Vorsitzender des Ausschusses Deutsche Hotelklassifizierung, lädt weitere Partner zu gemeinsamen Klassifizierungsinitiativen ein: „Unser Angebot steht ausdrücklich weiteren Ländern und Regionen  in Europa offen, die – wie wir – Anreize zur Steigerung der Qualität und zur Förderung der Vermarktung ihrer Hotellerie setzen wollen.“

 

Mehr Anreize und Motivation für unternehmerisches Handeln. Die zukünftige deutsche und österreichische Hotelklassifizierung basiert auf insgesamt 270 einzelnen Kriterien – einer Kombination von Mindestkriterien und fakultativen Punkten, mit denen notwendige Werte je Sternekategorie gesammelt werden können. „Diese Technik der Klassifizierung bietet die notwendige Flexibilität für die sich sehr dynamisch verändernden Hotelmärkte und setzt für Europa neue Trends“, erläutert Matthias Koch, Geschäftsführer des österreichischen Fachverbandes Hotellerie. „Mit dem neuen System gelingt der Übergang weg von K.o.-Kriterien hin zu O.k.-Kriterien: weniger Verbote und Vorschriften sowie mehr Anreize und Motivation für unternehmerisches Handeln.“

Zur Entwicklung des neuen Kriterienkatalogs setzten der Fachverband Hotellerie und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband u. a. auf eine repräsentative Befragung von Hotelgästen, die im gemeinsamen Auftrag von TNS Infratest im vorigen Jahr durchgeführt wurde. Sie gab Aufschluss über sich verändernde Gästeerwartungen und belegte den hohen Stellenwert der Sterne für die Hotelauswahl.

„Den Erkenntnissen folgend haben wir bei der routinemäßigen inhaltlichen Überarbeitung des Kriterienkatalogs Schwerpunkte in den Bereichen Qualitätsmanagement, Wellness und Schlafkomfort gesetzt“, sagt Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland (IHA), und ergänzt: „Unsere Hotelsterne werden zunehmend auch eine Brückenfunktion zwischen dem realen Hotelprodukt und seinem virtuellen Abbild im Internet übernehmen. Erste Akzente in diese Richtung setzen wir etwa mit Kriterien zur Aussagekraft der Hotel-Homepages und zur Einbindung von Hotel-Bewertungsportalen.“

 

Ein-Stern- bis Fünf-Sterne-Superior werden als neue Liga eingeführt. Als ein Eckpfeiler im neuen System wurden die Anforderungen an die Zimmergröße entschärft, sie ist kein Mindestkriterium mehr für eine bestimmte Sternekategorie, sondern erzielt nur noch Zusatzpunkte. 

Von den Muss-Kriterien herausgenommen wurde auch die Architektur, also die Unterscheidung zwischen Alt- und Neubau. Zudem sind ein separates WC und ein Doppelwaschbecken in der Fünfsterne-Kategorie nicht mehr vorgeschrieben. Dafür ist künftig ein Gästelift für die Drei-Sterne-Hotels zwingend notwendig.

Auch die Bettengröße wurde standardisiert – im Fünf-Sterne-Hotel muss es zwei Mal zwei Meter groß sein, im Vier-Sterne-Hotel 1,80 Mal zwei Meter. 

Durch ein hohes Maß an Dienstleistungen, mit denen man die nächste Sternekategorie noch nicht erreicht, kann man sich in den Superior-Bereich hocharbeiten. Ein Fast-Fünf-Sterne-Hotel ohne 24-Stunden-Zimmerservice ist dann beispielsweise ein Viersterne-Superior-Hotel.

Der Schweizer Hotelier-Verein wird die Erfahrungen der Partnerverbände in Österreich und Deutschland bei der Umsetzung der gemeinsamen Klassifizierungskriterien weiter konstruktiv begleiten. „In der Schweiz steht die Normenrevision allerdings turnusgemäß erst im Jahr 2011 an, so dass der innerverbandliche Diskussionsprozess noch bevorsteht“, erklärt Thomas Allemann, Mitglied der Geschäftsleitung von hotelleriesuisse, die Beschlusslage seines Verbandes.

Die neuen Hotelklassifizierungskriterien kommen in Deutschland und Österreich ab dem 1. Januar 2010 zum Einsatz. 

 

Die Neuerungen. Dies wird mit 1. Jänner 2010 neu:

 • Der neue österreichisch-deutsche Kriterienkatalog enthält 270 Bereiche. 

• Maximal können 842 Punkte erreicht werden. 

• Der neue Kriterienkatalog setzt sich aus Mindestkriterien, einer Mindestpunkteanzahl sowie dem Zusatz „Superior“ zusammen. Dieser Mix ergibt die Anzahl der zu verleihenden Hotelsterne und entscheidet über den Zusatz „Superior“. 

• In allen Klassen (1*-5*) gibt es nach Prüfung das zusätzliche Qualitätsmerkmal Superior (1*S – 5* S). Dieses umschreibt ein „Mehr an Dienstleistung“. In Österreich können nur Vollbetriebe „Superior“ erreichen. In den Kategorien 3*-5* ist dazu ein Mystery Guesting erforderlich. 

Die Unterschiede zwischen den bisherigen und den neuen Hotelsternen: 

• Das neue System ist internationaler. Das System wurde gemeinsam zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz erarbeitet. Es gilt ab 1.1.2010 sowohl in Deutschland als auch in Österreich. Die Schweiz stellt ihr System mit 1.1.2011 um. 

• Die neuen Hotelsterne werden nicht mehr ausschließlich nach Mindestkriterien verliehen. Ein Mischsystem aus Mindestkriterien, Punkten und dem Superior-Zusatz trägt zur Flexibilisierung bei. Dies ist ein wichtiger Schritt weg von „K.o“-Kriterien zu „O.k.“-Kriterien.  

• Aufgrund der Neustrukturierung des Sternekatalogs wird die Vergabe transparenter und objektiver.  

Im Internet stehen die Kriterienkataloge zum Download frei zur Verfügung: 

www.hotelsterne.at

www.hotelsterne.de