Hotellerie & Gastronomie
Immer mehr Gäste tun es – das Hotel per Internet buchen
In Sachen Buchungsverhalten hat das Medium Internet längst dem Telefon oder „guten alten“ Fax den Rang abgelaufen. WellHotel hörte sich um, welche Auswirkungen dies auf die Hotels hat.
Der touristische Siegeszug des Internet
Das Rennen Telefon gegen Internet ist längst schon entschieden. Zweiteres baut den Vorsprung weiter aus – mittlerweile verwenden 64% der Gäste das Internet als Medium Nummer 1 für die Urlaubsplanung. Das ist das Ergebnis der aktuellen Internet-Umfrage von Kohl & Partner unter 350 Hotels in Österreich, Süddeutschland und Südtirol. WellHotel horchte sich bei Hoteliers zu ihren positiven und negativen Erfahrungen mit Buchungen per Mail und Internet um. Wenngleich Schnelligkeit und Effizienz der elktronischen Medien geschätzt werden, geht für manche doch nichts über die persönliche Gästeansprache via Telefon
Doch wie kommen die vielen Buchungen in den heimischen Hotels überhaupt zustande? Greifen die Gäste zum Telefonhörer, schreiben sie Briefe oder klicken sie im Internet? WellHotel ist dieser Frage nachgegangen und hat herausgefunden, dass das Internet schon längst zum wichtigsten Buchungsmedium unserer Zeit geworden ist.
Das beweisen nicht nur die aktuellen Umfrageergebnisse des
Tourismusberatungsbüros Kohl & Partner bei 350 Hotels in ganz
Österreich, Süddeutschland und Südtirol, sondern auch Anfragen von WellHotel bei führenden heimischen Hoteliers.
64
Prozent aller Gäste, die in Österreich Urlaub machen, verwenden das
Internet als Medium Nummer 1 für ihre Urlaubsplanung. Damit hat die
Online-Urlaubsbuchung das Telefonieren nicht nur überholt, sondern auch
weit abgehängt. Im Jahre 2006 war das Internet erstmals knapp vor dem
Telefon, 2007 bei 50 Prozent aller Buchungen und heute hat es mit 64
Prozent seinen Vorsprung noch weiter ausgebaut.
Zum Vergleich dazu: Das Telefon wird mittlerweile nur mehr für rund 28 Prozent aller Buchungen verwendet.
Hauptargumente
für den Griff zur Computermaus statt zum Telefonhörer sind laut Kohl
& Partner vor allem die Schnelligkeit, die große Aktualität und die
Bequemlichkeit.
Im Schnitt gehen in einem heimischen Hotel jeden Tag
rund 13 Anfragen online ein, das ergibt in einem Monat immerhin die
stattliche Anzahl von 400 Internetanfragen, die vom Personal
beantwortet werden müssen. Auch auf diesem Gebiet gibt es seit der
letzten Studie von Kohl & Partner einen deutlichen Zuwachs um 33
Prozent.
Auffallend bei den Internetanfragen sind auch die
Uhrzeiten, zu denen sie in den Hotels eingehen. Ein kurzer Blick auf
eine Hotelhomepage scheint in den meisten Firmen doch kein allzu großes
Problem zu sein, geht doch der Großteil der Anfragen, in Zahlen 35
Prozent, zwischen 12 und 18 Uhr am Nachmittag ein. Mehr als ein Drittel
der Buchungen kommen in den Abendstunden zwischen 18 und 23 Uhr herein,
der große Rest zwischen 6 und 12 Uhr vormittags.
Aber auch eine
kleine Gruppe von Nachtschwärmer scheint es unter den Hotelbuchern zu
geben. Immerhin vier Prozent aller Internetbuchungen flattern nachts
zwischen 23 Uhr und 6 Uhr morgens auf die Hotelbildschirme.
Fax und Brief
aus der Mode. Hat der klassische Telefonanruf hat zwar abgenommen, aber
immer noch seinen Stellenwert, so scheinen Fax- oder Briefanfragen
immer mehr aus der Mode zu kommen. Nur mehr 6 Prozent aller Anfragen
rattern durch die Faxgeräte oder -modems der heimischen Hotelbetriebe,
in Briefform auf dem Postweg sind es gar nur mehr 2 Prozent.
Die
Urlaubsgäste machen sich also kaum mehr die Mühe zu Hause zur Feder zu
greifen, um sich nach ihrem nächsten Urlaubsdomizil zu erkundigen, wenn
es doch mit ein paar Mausklicks viel schneller und mittlerweile auch
unkomplizierter geht.
WellHotel wollte wissen, was
führende heimische Tourismusbetriebe zu den Ergebnissen dieser Studie
von Kohl & Partner sagen und ob die Hotels ähnliche Erfahrungen
bezüglich des Buchungsverhaltens ihrer Gäste gemacht haben.
Naturhotel Waldklause, Längenfeld – nur
kurzfristige Anfragen per Telefon. Irene Auer vom Naturhotel Waldklause
in Längenfeld bestätigt den Trend zur Internetbuchung voll und ganz:
„70 bis 80 Prozent unserer Buchungen gehen generell übers Internet.
Erst bei den ganz kurzfristigen Anfragen kommt dann sehr oft das
Telefon ins Spiel!“
In der Waldklause liegt die Anzahl der
Anfragen allerdings weit über dem Schnitt der Studie von Kohl &
Partner, gehen doch im Ötztal jedes Monat zwischen 800 und 1000
Anfragen ein.
„Das hängt aber auch stark davon ab, wie viel unser
Haus in Online-Marketing investiert hat! Man kann das in
auslastungsschwachen Zeiten selbst steuern und mehr Geld in die Hand
nehmen“, erläutert Irene Auer. Aber auch in der Waldklause war die
starke Bedeutung des Internets nicht immer so stark zu spüren. Im
Vergleich zum Vorjahr haben die Online-Buchungen in Längenfeld um satte
30 Prozent zugenommen. „Das Fax wird in unserem Haus so gut wie
überhaupt nicht mehr in Anspruch genommen, auch ein Postversand findet
eigentlich nur mehr bei Prospektanforderungen statt“, ist die
Hotelchefin von der noch weiter steigenden Bedeutung der
Internetbuchung in der Waldklause überzeugt.
Sporthotel Stock, Finkenberg –
120 Internetanfragen pro Tag. Etwas differenzierter sieht Josef Stock
vom Sporthotel Stock in Finkenberg die Lage: „Das Internet wird auch
bei uns immer wichtiger. Ich denke, dass sich 80 Prozent unserer Gäste
zuerst über die Homepage informieren, rund 70 Prozent rufen uns dann
aber doch an und fragen gezielt nach freien Zimmern oder lassen sich
zusätzliches Informationsmaterial auf dem Postweg nach Hause schicken!“
Gerechnet
übers Jahr gehen im Sporthotel Stock immerhin rund 120 konkrete
Internetanfragen pro Tag ein. Viele fragen gezielt Zimmer an, einige
lassen sich auch nur Informationsmaterial zusenden.
In Finkenberg
ist der Anstieg der Internetanfragen gegenüber dem Vorjahr nur
unwesentlich. „Bei uns war 2007 bereits der große Boom, mittlerweile
sind wir bei den Internetanfragen voll ausgelastet“, erklärt Josef
Stock, „aber trotz der Dominanz des Internets und von E-Mails
bestätigen noch rund 10 Prozent unserer Gäste ihre Buchung per
Faxgerät.
Ganz ausgedient hat das Faxgerät im Zillertal also noch
nicht, der Postweg ist in Bezug auf Anfragen jedoch geradezu
verschwindend klein.
Excelsior mountain | style | spa | resort, St. Vigil
– Mail-Boom hält an. Im Excelsior mountain | style | spa | resort in
St. Vigil in Südtirol ist die Bedeutung des Internets ebenfalls noch
größer als in der vorgelegten Studie. Hotelier Werner Call, auch
Vorstand der Belvita-Gruppe, sieht das weltweite Netz als absolut
wichtigste Informationsquelle: „Bei uns kommen etwa 90 Prozent aller
Anfragen per E-Mail herein, am Telefon werden dann nur noch Details
abgeklärt. Fax und Post spielen bei uns in punkto Buchungen fast keine
Rolle mehr, nur 2 bis 3 Prozent erreichen uns über diesen Weg.
Im
Monats-Schnitt erhalten wir etwa 1500 Anfragen, dabei war der Zuwachs
an E-Mail-Anfragen vor allem von 2006 auf 2007 enorm, im vorigen Jahr
betrug die Steigerungsrate aber auch noch circa 15 Prozent. Eines muss
man jedoch im Medium Internet bedenken: der Gast kann mit einem Klick
theoretisch 100 verschiedene Anfragen abschicken. Deshalb war früher
die Chance, dass aus einer Anfrage auch eine Buchung wird, sicher
größer. Trotz allem gehört dem Internet die Zukunft, daran besteht
nicht der geringste Zweifel.“
Hotel „... liebes Rot-Flüh“, Haldensee –
Anfragen über Portale. Im Hotel „… liebes Rot-Flüh“ am Haldensee geht
der Trend ebenfalls voll in Richtung Internet. Das Ehepaar Huber
bestätigt: „Im Moment gehen unsere Anfragen zu rund 60 Prozent übers
Internet, zu nur mehr 40 Prozent übers Telefon. Der Anteil des
Internets wird aber immer höher!“ Das Telefon wird von den Gästen am
Haldensee vor allem bei genauen Fragen zum vielfältigen Angebot und zu
Erkundigungen über die vielen Zimmerkategorien des Wohlfühlhotels
bevorzugt.
„Wird von den Gästen eine individuelle Beratung
gewünscht, greift eben doch noch eine große Zahl von Gästen zum
Telefonhörer“, erklärt Franz Huber, „wir haben täglich 700 bis 800
Besucher auf unserer Homepage. Jedes Monat gehen dann etwa 450 Anfragen
mit teils sehr gezielten, punktuellen Fragen ein, die beantwortet
werden müssen. Unseren Gästen ist es daher auch sehr wichtig, dass die
Anfrageformulare einfach und schnell auszufüllen sind.“
Auch im
Tannheimer Tal steigt die Bedeutung des Internets von Jahr zu Jahr,
eine wichtige Rolle spielt dabei auch die gezielte Werbung. „Ganz
wichtig für unser Haus ist es daher, auf bestimmten Tourismusportalen
weit oben platziert zu sein, denn dann kommen über diese Portale auch
verstärkt ganz konkrete Anfragen“, ist Franz Huber von der weiter
steigenden Bedeutung der Internetauftritte der heimischen Hotels
überzeugt. Zum Brieföffner gegriffen werde am Haldensee daher auch
immer seltener, führt Franz Huber weiter aus: „Die Post ist das E-Mail
geworden. Fax-Nachrichten gibt es bei uns kaum mehr, nur ein paar
wenige Gäste legen noch Wert auf eine Reservierungsbestätigung per Fax.“
Golf- und Genießerhotel Salzburgerhof, Zell am See
– finanzieller Einsatz für Internetwerbung. Willi Holleis vom Golf-
und Genießerhotel Salzburgerhof in Zell am See sieht das Rennen
zwischen Internet und Telefon ebenfalls schon lange entschieden: „Das
ist eine ganz klare Sache zugunsten des Internet! Bei uns im Haus sind
mittlerweile sogar 90 Prozent der Anfragen online, nur mehr 10 Prozent
werden übers Telefon abgewickelt.“
Im Salzburgerhof werden jedes
Monat etwa 900 Anfragen registriert, ein großer Prozentsatz dieser
Onlineanfragen führt dann auch zu einer konkreten Buchung. „Auch in
unserem Haus gibt es eine Zunahme der Internetbuchungen. Das ist aber
auch mit entsprechendem finanziellen Einsatz in Sachen Internetwerbung
verbunden“, sieht Willi Holleis weitere Gründe für die Zunahme der
Online-Anfragen.
Das Fax spielt im Salzburgerhof keine große Rolle
mehr. Nur mehr ein Bruchteil der Korrespondenz wird auf diesem Wege
abgewickelt, nur für einige Gäste ist es noch sehr wichtig, postalisch
kommen nur mehr ganz selten Anfragen herein.
Biohotel Stanglwirt, Going
– viele Erstanfragen per Telefon. Im Stanglwirt in Going hat das
Internet zwar auch zunehmend an Bedeutung gewonnen, aber das Telefon
noch nicht in dem Maße abgehängt wie in einigen anderen Hotels. „Bei
uns kommen doch noch immerhin rund 30 Prozent aller Anfragen, darunter
vor allem die Erstanfragen, via Telefon herein“, erklärt Balthasar
Hauser, „etwa 70 Prozent unserer Gäste nutzen das Internet zur
Information, aber vielen rufen eben vor allem wegen Details noch bei
uns an!“
Ein Telefonanruf, ein Brief oder ein Fax bleibt den
Gästen beim Stanglwirt aber in jedem Fall nicht erspart, ist das
Biohotel doch gar nicht online buchbar. Trotzdem werden in Going jedes
Monat rund 1600 Angebote via E-Mail versendet, darunter fallen aber
beim Stanglwirt auch telefonische Anfragen, bei denen die Gäste ihre
E-Mailadresse bekannt geben.
Alpenresort Schwarz, Mieming – Gästen ist
persönliche Ansprache wichtig. Nicht ganz so im Trend der
Interneteuphorie liegt auch das Alpenresort Schwarz in Mieming. „Bei
uns liegen trotz aller Trends die telefonischen Anfragen immer noch
deutlich höher im Vergleich zu den Anfragen übers Internet“, erklärt
Franz-Josef Pirktl.
Als Gründe dafür nennt er die große
Angebotspalette seines Hauses und zahlreiche individuelle Gästewünsche:
„Am Telefon kann ich besser auf den Gast eingehen oder etwa
Spa-Reservierungen gleich fixieren. Unseren Gästen scheint diese
persönliche Ansprache doch noch sehr wichtig zu sein, sie fühlen sich
dabei einfach wohler.“
Franz-Josef Pirktl belegt diese Ansicht
auch noch gleich mit Zahlen. Jedes Monat stehen rund 900
Internetanfragen rund 1050 telefonischen Anfragen gegenüber.
Trotzdem
ist auch im Alpenresort Schwarz ein Anstieg der Internetbuchungen und
Anfragen zu verzeichnen, setzt doch auch das Mieminger Hotel gezielte
Marketing-Maßnahmen.
Franz-Josef Pirktl hält abschließend fest:
„Auch wenn sich das Telefon wegen des persönlichen Gespräches noch
etwas halten wird, so sind Fax und Brief bei uns vernachlässigbar, das
betrifft nur noch eine sehr dünne Gästeschicht. Das Fax dient bei uns
lediglich noch als Mailersatz.“