Gastkommentar von Joachim G. Hallwachs, Designer und CEO von Hallwachs & Partner

Gedanken zum Hotelzimmer der Zukunft

Was wird – hoffentlich – das Unwort des Jahres 2009? Das Wort Krise. Allgegenwärtig, demotivierend, zum Hype stilisiert und damit kontraproduktiv. Denn, davon gehe ich als Optimist aus, die Krise wird vor allem jene Hotels in Mitteleuropa weitestgehend verschonen, die erstens jetzt nicht in Panik verfallen und Preisdumping als Lösung sehen, und zweitens jene, die über innovative Ideen sowohl im Hardware- als auch im Softwarebereich nachzudenken bereit sind und diese dann auch mit dem entsprechenden Mut umsetzen. Ein spannendes Zukunftsthema ist sicherlich das Hotelzimmer selbst.  Wohin geht hier die Reise? Was könnte man besser machen? Worauf legt der Gast in Zukunft wirklich Wert?

Was wird – hoffentlich – das Unwort des Jahres 2009? Das Wort Krise. Allgegenwärtig, demotivierend, zum Hype stilisiert und damit kontraproduktiv. Denn, davon gehe ich als Optimist aus, die Krise wird vor allem jene Hotels in Mitteleuropa weitestgehend verschonen, die erstens jetzt nicht in Panik verfallen und Preisdumping als Lösung sehen, und zweitens jene, die über innovative Ideen sowohl im Hardware- als auch im Softwarebereich nachzudenken bereit sind und diese dann auch mit dem entsprechenden Mut umsetzen. Ein spannendes Zukunftsthema ist sicherlich das Hotelzimmer selbst.  Wohin geht hier die Reise? Was könnte man besser machen? Worauf legt der Gast in Zukunft wirklich Wert?

Raumgröße ist nicht alles. Immerhin ist das Hotelzimmer jener Ort, mit dem nach wie vor das Geld verdient wird. Obwohl ich ja immer wieder – und dazu stehe ich auch jetzt – die These vertrete, dass unter anderem der Platz, im Sinne von Raum, zu den Luxusgütern der Zukunft gehört, glaube ich nicht daran, dass im Hotelzimmer mit viel Raum alles getan ist. In vielen Hotels, die ich persönlich kenne, sind Raumgrößen von 55 und mehr Quadratmetern keine Ausnahme mehr, sondern gehören bereits zum guten Ton. Aber dies alleine reicht eben nicht. Wichtig sind auch hier innovative, vor allem aber „emotionale“ Lösungen.
Lösungen, bei denen nicht das Budget, die Raumachse, sondern der Mensch im Mittelpunkt aller planerischen Betrachtungen steht. Die mutigste und innovativste Variante wäre natürlich, einmal über die Achsmaße nachzudenken. In vielen Hotels wird immer noch mit einem Achsmaß von 4,40 m, teilweise sogar mit nur 4 m gearbeitet (ich weiß dies, da ich gerade in zwei ganz neuen 4-Sterne-Plus-Häusern die Spa‘s bzw. die Innenarchtektur entwerfen darf). Aber auch bei einem Achsmaß von 5 m und einer Raumlänge von teilweise über 11 m bleibt das Ganze ein „optischer Schlauch“ und ist nicht einfach energetisch optimal für den Gast zu designen. Meistens  entsteht dann, weil Bad und begehbarer Schrankraum hintereinander angesiedelt werden, ein bis zu 5 m langer, nur 1,30 m breiter Gang und der Gast betritt den eigentlichen Wohraum in seiner äußersten Ecke. Darüber hinaus liegt das Bad dann im Dunkeln. Auch das inzwischen modern gewordene Fenster zwischen Bad und Zimmer ist keineswegs eine ideale Lösung. Zumal hier noch das Problem hinzukommt, dass diese Glasfront in den meisten Fällen nicht wirklich verdunkelbar geschlossen werden kann. Dies hat den charmanten Nebeneffekt, dass derjenige, der in der Nacht in das Bad muss, oder ganz einfach früher aufsteht, den anderen mit dem – meist grellen – Licht im Bad mit Garantie weckt. Toll.
Was wäre, wenn das Achsmaß – ich weiß, dies ist nicht in allen Hotels möglich – 7,50 m wäre und der gesamte Raum 7,50 m Breite und 8 m Länge hätte (ergibt 60 qm). Plötzlich würde das Bad direkt an die Front wandern und lichtdurchflutet sein, die Doppelwanne mit Blick in die Natur etabliert, genügend Platz, um aus der Dusche einen Dampf-Dusch-Tempel zu machen, und der Gast betritt seine Junior-Suite nicht mittels eines langen Eckganges, sondern zentral. Toilette und begehbarer Schrankraum befinden sich vis-a-vis, und es entsteht im Eingang ein eindrucksvoller, zentraler und auch multifunktional nutzbarer Raum (eine Massage kann beispielsweise angeboten werden und das Zimmer mutiert zu einer kleinen Spa-Suite), welcher den direkten Blick in den Raum und die Natur frei gibt.

Das richtige Bett. Okay, nicht jeder wird sich dieses Achsmaß leisten können und wollen. Aber es gibt genügend andere Dinge, die im Hotelzimmer der Zukunft, unabhängig vom Achsmaß berücksichtigt werden sollten. Beispielsweise das Thema Bett. Statistisch gesehen ist es jener Ort, in dem der Gast die meiste Zeit verbringt, sofern er sich im Zimmer aufhält.
Guter Schlaf, dies ist bekannt, gehört zu den wichtigsten Dingen im Leben. Betten mit einer Liegehöhe eines japanischen Futons, werden vor allem älteren Menschen nicht unerhebliche Schwierigkeiten bereiten, daher sollte die Einstiegshöhe bequem (Senior Size) und die Breite ausreichend (mindestens 2 m im Doppelbett) sein. Die Menschen werden immer größer, d. h. Betten mit einer Länge von 2,10 m werden zur Norm werden. Die Matratze sollte mehrfach verstellbar sein. Es gibt sensorische Matratzen, die den Gast mit biomechanischen Schwingungen in den Schlaf wiegen.
Zum Thema Emotion: Hier geht es um Licht, Klang und Aroma. Der Volksmund sagt zwar: „Wer schläft, sündigt nicht.“ Mein Motto lautet eher: „Wer vorher sündigt, schläft besser.“
Womit wir bei dem leidigen Thema Licht im Hotelzimmer wären. Sicherlich haben Sie, meine Damen und Herren, auch schon folgende Situation erlebt:
Das Licht am Bett ist zum Lesen eindeutig zu dunkel, um zu kuscheln jedoch eindeutig zu hell. Wie schön wäre es doch, hätte man ein kleines, den Partner nicht störendes fokussiertes Leselicht und ein dimmbares, schönes, weiches und atmosphärisches „Kuschellicht“. Der Deckenbereich über dem Bett könnte auch emotional gestaltet werden und nicht nur den Blick auf den „wunderschön designt­en Brandmelder“ lenken. Mehr als 80% der Hotelbesucher sehen vom Bett aus TV. Daher sollte der Flatscreen möglichst so positioniert sein, dass der Gast nicht nach einer Stunde TV einen Chiropraktiker benötigt, weil Nacken und Rücken total verspannt sind. Der Flatscreen wird in einer, bei Bedarf die Farbe wechselnder Lichtwand integriert, und wer nicht Fernsehen möchte, wandelt per Knopfdruck den Bildschirm in eine individuelle Kunstgalerie um. Dolby-Surround-Systeme sind inzwischen sehr billig und klein geworden.
Man kann sie für den Gast unsichtbar, ebenso unsichtbar wie Aroma-Säulen, im Raum integrieren und erzielt sofort eine ganz andere Wirkung.
Der Flatscreen wird in Zukunft auch zu einer medialen Multifunktionseinheit mutieren, welcher dem Gast die Möglichkeit gibt, seine  E-Mails abzurufen und bequem via Fernbedienung auch zu bearbeiten, im Internet zu surfen und viele andere Dinge zu tun. Auch im Badezimmer der Zukunft spielt das Licht eine ganz wesentliche Rolle.
Duschköpfe mit integrierten, ebenfalls je nach Temperatur die Farbe wechselnder LED-Technik, ideales Schmink- oder Rasierlicht – in vielen Hotelbädern ist es als Wunder zu betrachten, dass die Nassrasur nicht zum Blutbad wird – aber auch sanftes Ambientelicht, begleitet von dem individuell gewünschten Sound, wenn der Gast sich in der Wanne entspannen möchte, werden gefragt sein.

Das Design-WC. Auch das, selbstverständlich getrennte, WC muss in Zukunft in das Design-Konzept integriert werden. Laut einer Studie der Geberit AG verbringen vor allem Männer, speziell am Morgen, einige Zeit in der Toilette. Das neue Dusch-WC verbindet WC und Bidet. Klang, sanftes Licht, oder bei Bedarf fokussiertes Leselicht (wie im Flugzeug) und ein orgineller Magazin-Ständer werden in Kürze ein „Must“ sein. Es würde auch Sinn machen, im Boden, vergleichbar einem Flugzeug, blaue oder tiefgrüne LED‘s so zu installieren, dass der Gast, so er in der Nacht das Bad oder die Toilette aufsuchen möchte, diese in Betrieb nimmt und auf diesem Wege ohne sich den Hals zu brechen, ohne wirklich wach zu werden oder den Partner zu stören, seinen Weg findet. Bei aller Liebe zur Technik. Hier gilt in Zukunft mehr denn je die Devise „KISS“ (Keep it simpy stupid). Technik muss dem Menschen dienen und nicht der Mensch ein Sklave der Technik sein. Technik sollte erstens so gut wie unsichtbar im Zimmer etabliert werden (dies ist durchaus machbar) und zweitens kann es nicht sein, dass der Gast zwei Semester Informatik benötigt, um sein Touchscreen am Bett zu bedienen.
Vor kurzem passierte folgende wahre Begebenheit. Eine Gruppe von Hoteliers besuchte ein neues Top-Hotel. Alles vom Feinsten. Kleiner Nachteil: Einige der Gruppe mussten in der Nacht den Concierge bemühen, um überhaupt in der Lage zu sein, das Licht in ihrem Zimmer zu löschen. Das kann es ganz einfach nicht sein. Hier sind innovative und intelligente Lösungen gefragt.

Vieles hat ausgedient. Last but not least wird die Energetik im Hotelzimmer der Zukunft immer mehr an Bedeutung erlangen. Die Harmonie, die Balance, die Symmetrie der Einrichtung und Raumkubatur, die verwendeten Materialien sowie die Reduktion auf das Wesentliche werden den Unterschied ausmachen. Der alte Schreibtisch hat ebenso ausgedient, wie das Sideboard unter dem Fernseher, die Minibar im eigenen Schrank, der Safe, diese vielen das Auge nur irritiernden und den Raum zerstörenden Einzelmöbel. All diese Dinge können im begehbaren Schrank integriert werden, das eigentliche Hotelzimmer bietet Platz zum Atmen, wird zum individuell anpassbaren Lebensraum.
Sie meinen nun, all diese Wünsche zu erfüllen, wäre unmöglich. Absolut nicht. Es bedarf nur einer starken Vision und des Muts zur konsequenten Realisierung.
Es ist ein Mosaik aus vielen – teilweise nicht aufwendigen – Details. Wie sagte einst der große Philosoph und Dichter Seneca so schön: „Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern, weil wir es nicht wagen, ist es so schwer.“
In diesem Sinne – viel Spaß beim Brainstorming über Ihr Hotelzimmer der Zukunft!

Joachim G. Hallwachs ist Designer und CEO der international tätigen Design Company Hallwachs & Partner GmbH mit Sitz in Bad Ragaz (Schweiz). Die Mitarbeiter des Unternehmens sind Special Consultants und Entwickler von exklusiven Spa- & Emotionsbereichen in internationalen Top-Hotels und großen Thermen.

www.spa-design.com