Gastkommentar von Andreas Neuberger, neuberger hospitality consulting
Das magische Dreieck – neue Prioritäten als Weg zum nachhaltigen Erfolg für die Hotellerie?
Im Jahre 2005 war ich ehrenvollerweise als Referent zum siebten Tourismusgipfel in Chamonix geladen. Als damaliger Generaldirektor des vigilius mountain resort referierte ich über das Thema: „The major trend towards ‚wellness‘ in tourism: a way to save the traditional hotel sector?” Eingeladen wurde ich von Professor Dr. Peter Keller, Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) an der Wirtschaftsfakultät Universität Lausanne und gleichzeitig Präsident des Tourismusgipfels.
Vorträge
und Gruppenarbeit dominierten die Form des Tourismusgipfels. In vielen
Teams wurde mitunter sehr kontrovers diskutiert, in meiner Gruppe
hingegen herrschte harmonische Einstimmigkeit. Unser Thema: „Wellness
Atmosphäre und Design“. Wir waren alle überzeugt: Wunderschöne
Architektur und Design mit stilvollem Wellness- und Spa-Bereich in
alpinem Ambiente sind ein Trend, mit dem Hotels großen Erfolg haben
werden.
Als Vertreter des vigilius – schon zu der Zeit ein
Top-Betrieb auf dem Sektor – konnte ich berichten, dass sich das Hotel
nach anfänglichen Startschwierigkeiten tatsächlich erfolgreich am Markt
platziert hatte und dank seiner Einzigartigkeit die gleichen Gäste
sogar mehrmals im Jahr anlockte.
Herzliche Gastgeber & kompetente Mitarbeiter. Heute, drei Jahre
später, ist das ansprechende, durchdachte und extravagante Design
Basispfeiler in der erfolgreichen Wellness-Hotellerie. Der Trend von
damals ist heute ein
„Must-have“!
Perfektes Ambiente wird von den Gästen einfach erwartet. Sie verlangen sogar noch mehr: einen guten Service.
Für
die Bedeutung von gutem Service möchte ich Ihnen ein simples Beispiel
geben: Stellen Sie sich vor, Sie sind in einem Top-Hotel irgendwo in
den Alpen und erleben gerade den 3000 Quadratmeter Wellnessbereich, in
dem es wirklich alle Angebote gibt, die Sie sich wünschen. Zu Ihrem
Glück fehlt nur noch ein frisches Handtuch zum Abtrocknen. Doch, oh
Schreck: Es sind keine zu finden. Nach langem Suchen finden Sie zwar
keine Handtücher, aber einen Mitarbeiter, der Ihnen total gestresst
entgegnet, dass er gerade vor fünf Minuten 400 Handtücher gebracht hat
und er doch nichts dafür könne, wenn die dummen Gäste immer fünf Stück
pro Gang in den Wellnessbereich verwenden würden. Nach viel verlorener
Zeit und großem Ärger haben Sie dann zwar die Handtücher, aber auch die
Nase voll, und das hart erarbeitete Relaxfeeling ist weg!
Mit
anderen Worten: Erst die Menschen bringen das Design-Objekt „Hotel“ zum
Leben. Sie sind außerdem das beste Instrument zur Kundenbindung – oder
– Verschreckung.
Die CASH/ACNielsen-Studie zur Kundenbindung zeigt,
dass für 97 Prozent aller Urlauber freundliche Mitarbeiter der Anlass
zum Wiederkommen sind. Mit 94 Prozent an zweiter Stelle reihten die
Urlauber kompetentes Personal.
Womit das Wichtigste gesagt wäre.
Den Unterschied für die Kunden machen also herzliche Gastgeber und kompetente Mitarbeiter.
Damit wären wir beim „magischen Dreieck“: Unternehmer – Mitarbeiter – Kunden.
Das
magische DreieckTM. Das Wort magisch verwende ich gerne, weil der
Ansatz, der dahintersteckt, gleichermaßen einfach und effektiv ist. Die
Auswirkungen allerdings sind verblüffend überzeugend.
Ausgangspunkt
des Dreiecks ist ein engagierter Hotelier mit klaren Visionen, der
seine Mitarbeiter wertschätzt. Über klare gemeinsame Ziele (smart
formuliert) motiviert er seine Mitarbeiter. Diese – angetrieben von
gemeinsamen Werten, viel Selbstverantwortung und Gestaltungsfreiheit –
geben wie selbstverständlich ihr Bestes für die Gäste, die ihrerseits –
im besten Fall – (immer) wiederkommen.
Des Pudels Kern sind also
die Zielvereinbarungen des Hoteliers mit seinen Führungskräften
(Teamleiter) und deren Zielvereinbarungen mit ihren Mitarbeitern.
Vorangehen
sollte dem eine Unternehmensanalyse mit Festschreibung einer Vision,
einem Missionstatement für das Unternehmen, einem von den Mitarbeitern
und den Führungskräften gemeinsam erarbeiteten Sinn- und Werteleitbild,
die Ableitung eines Leitbildes für das gesamte Hotel und die einzelnen
Abteilungen, die Ableitung von Anforderungsprofilen und eben
Zielvereinbarungen – zuerst für Führungskräfte, dann für Mitarbeiter
(Stellenbeschreibungen helfen dabei sehr!).
Der
Mitarbeiter-Organisations-Prozess. Weiterer wichtiger Punkt ist das
Installieren eines „MOPs“ (Mitarbeiter-Organisations-Prozesses). Dieser
regelt vom ersten Mitarbeiter-Bewerbungsmail bis zum Erhalt des
Zeugnisses lückenlos, wie sich der Mitarbeiter optimal im Unternehmen
bewegen soll.
Dieser Prozess ist sehr komplex, er erfordert
Vorbereitungszeit und Energie, die im Hotelalltag ehrlicherweise nur
schwer zu beschaffen ist und zuerst mal Geld kostet. Aber der Aufwand
lohnt sich: Er macht sich schon in Kürze doppelt und dreifach bezahlt.
Das zeigen Ergebnisse und Erfahrungen aus meiner eigenen Praxis mit
familiengeführten Hotels.
Positiver Nebeneffekt: die Fluktuation
der Mitarbeiter sinkt mittelfristig. Obwohl der Weggang von
Mitarbeitern für das Service-Ergebnis im Hotel gar nicht mehr von so
hoher Bedeutung ist, denn der MOP garantiert, dass neue Mitarbeiter
effektiv und effizient eingelernt werden und langjährige Mitarbeiter
systematische Weiterbildung erfahren.
Ein gut funktionierender MOP ist das wunderschöne Ergebnis einer lernenden Organisation, die quasi zum Selbstläufer wird.
Manche
Management-Theoretiker, wie zum Beispiel Prof. Hinterhuber, gehen sogar
noch weiter und behaupten: „Es sind letzten Endes Unternehmer und /
oder Führungskräfte, die durch ihr Leadership-Verhalten und ihr
mentales Modell über Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens
entscheiden. Die empirische Evidenz zeigt, dass die langfristige und
nachhaltige Wertsteigerung eines Unternehmens durch das Verhalten der
Führenden stärker beeinflusst wird als durch die Marktattraktivität.“ *
Es lohnt sich also wirklich, neue Prioritäten zu setzen und nachhaltig erfolgreich zu sein.
Die Besten machen es gerade vor!
(*
aus Hinterhuber, H. H.: Mentale Modelle der Führenden und strategische
Ausrichtung der Unternehmen in Hinterhuber / Stahl (Hrsg.). Die
Schwerpunkte moderner Unternehmensführung, Renningen 2000)
Zum Autor: Andreas Neuberger, geboren 1969
Ist Inhaber der neuberger hospitality consulting GmbH und war 10
Jahre Geschäftsführer renommierter 4- und 5-Sterne-Hotels in
Österreich, Deutschland und Italien. Er ist zertifizierter
Qualitätsmanager (EFQM Excellence Assessor und TQM Assessor) und
lizenzierter TEMP Trainer sowie Mitglied des Netzwerkes Unternehmer
beraten Unternehmen (Tempus).Seine ganze Leidenschaft gilt der
Hotellerie und einem Qualitätsanspruch, der auf die Menschen
ausgerichtet ist – auf die Gäste, die Mitarbeiter und die Hoteliers!
Für sie alle gilt: „Nur wer konkrete Ziele verfolgt, kann diese auch erreichen und ist deshalb erfolgreich!“