Tiroler Freiheitskampf für Qualitätstourismus

Andreas Unterlechner (li.) und Sepp Greil: „Qualität im Tourismus darf und muss was kosten!“ (Foto: privat)

Renate Linser im Gespräch mit Andreas Unterlechner und Sepp Greil

Seit Gründung des Markenzeichens „Mit Tiroler Herzblut“ vor drei Jahren ziehen die beiden Rebellen Andreas Unterlechner und Sepp Greil in den Kampf, damit Tiroler Top-Qualität im Tourismus ihrem hohen Stellenwert entsprechend endlich auch honoriert werde. Ein Freiheitskampf gegen Preis-Dumping und schnelle, herzlose Geldmacherei gemeinsam mit den Mitgliedern der „Mit Tiroler Herzblut“-Hotels. WellHotel-Redakteurin Renate Linser-Sachers stürzte sich ins kampflustige, ungeschminkt ehrliche Gespräch mit den engagierten Herzblütlern.

WellHotel: Wo liegt der gemeinsame Nenner aller „Mit Tiroler Herzblut“-Hotels?

 

Unterlechner / Greil: Alle Mitgliedsbetriebe sind kleine bis mittlere Familienunternehmen, die Wert auf Qualität legen. Häuser und Gastgeber, in denen der Gast noch spürt und weiß, dass er in Tirol und nicht austauschbar irgendwo seinen Urlaub verbringt. Und welche von ganzem Herzen vehement die Meinung vertreten, dass auf lange Sicht unsere Top-Leistung nur durch ein faires Preis-Leistungsverhältnis dauerhaften Erfolg bringen kann. 

WellHotel: Wie gestaltet sich die Kooperation mit den Mitgliedsbetrieben in Südtirol?

Unterlechner / Greil: Wir arbeiten grenzübergreifend sehr offen und ehrlich ohne jegliches Konkurrenzdenken zusammen. Das funktioniert perfekt, man nützt gezielt die jeweiligen Stärken des anderen. Ganz im Gegenteil zur Tirol- und Südtirol-Werbung. Von diesen Seiten wurde unsere Fusion in keinster Weise unterstützt und die Verwendung des Südtirol-Logos untersagt, obwohl „eigene“ Hotels mit im Herzblut-Boot sind! Begründet wird dieser Umstand damit, dass sich der Firmensitz von „Mit Tiroler Herzblut“ in Nord-Tirol befinde.

Ganz nebenbei schafft es die Tirol Werbung immer noch nicht, einen TV-Spot zu lancieren, vergleicht man die Aktivitäten der Südtirol Werbung, diverser Tourismusregionen in Tirol oder anderer österreichischen Destinationen. An fehlenden finanziellen Mitteln kann das ja wohl kaum liegen ...

 

WellHotel: Macht Tourismus in Tirol überhaupt noch Spaß?

Unterlechner / Greil: Sowieso, zu 100 Prozent – obwohl das immer schwerer wird. Wenn man bedenkt, dass zum Beispiel eine Mechaniker-Arbeitsstunde zwischen 75,- und 100,- Euro kostet, in einem 4-Sterne-Hotel bei 24-Stunden-Arbeitseinsatz der Stundenlohn jedoch ab 1,67 Euro beträgt – was einem Zimmerpreis (inklusive gewählter Pension) von 40,- Euro entspricht, dann stimmt was nicht. Und das ist schon gut bezahlt – siehe Hofer-Reisen jeden Donnerstag. 

Qualität darf und muss was kosten! Überall auf der Welt hat alles seinen Preis und dieser wird auch mit einem Selbstverständnis bezahlt – nur bei uns in Tirol anscheinend nicht. Und das in den schönsten Regionen der Alpen!

Wir kämpfen mit dem selben Problem wie die Bauern: Top-Qualität, die nicht honoriert wird. Im Gegensatz zu den Bauern haben es wir jedoch noch selbst in der Hand, das Ruder herumzureißen. Mit einer ehrlichen, einheitlichen und fairen Preispolitik, die ermöglicht, dass Qualität und somit die Spitzenleistung der Hotellerie auch entgolten wird. Dann macht die Arbeit auch wieder Spaß. Und ein weiteres ganz wichtiges Detail: Dann könnte man auch wieder mehr Einheimische dazu bewegen, im Tourismus ihr Geld zu verdienen. Denn ohne Tiroler im Tourismus stirbt der Tiroler Tourismus.

 

WellHotel: In welchem Ausmaß schaden Billiganbieter dem Qualitätstourismus?

Unterlechner / Greil: Gegenfrage: Kommt der Gast wohl wieder, wenn er an der Bar von einem anderen Urlauber erfährt, zu welchem Schnäppchen-Ausverkaufspreis dieser seinen Aufenthalt gebucht hat? Oder wie erklärt man, dass der gutbürgerliche Gasthof in Wahrheit teilweise bessere Preise hat als das neu erbaute 4-Sterne-Hotel? Dass offensichtlich die gebotene Leistung keinen Gegenwert mehr haben darf? 

TUI, Hofer, Neckermann & Co ist hier kein Vorwurf zu machen. Ihre Dumping-Angebote sind legitim. Der Hotelier selbst aber hat sehr wohl die Wahl, er unterzeichnet die Verträge mit diesen Riesen schließlich ja freiwillig und eigenhändig.

Kleine Betriebe können hier nicht mitmischen, weil sie sich dieses Spielchen schlicht und ergreifend nicht leisten können. Und genau darin lag vor drei Jahren unsere Motivation, sich mit solchen  Qualitätsbetrieben aus verschiedenen Regionen Tirols und Südtirols unter dem Namen „Mit Tiroler Herzblut“ zusammen zu tun.  Gemeinsam werben wir am Markt für Qualitätstourismus und die Stärken dieser familiär und sehr persönlich geführten Unternehmen bei einem fairen Preis-Leistungsverhältnis. Gleichwertig für alle Gäste, unsere Leistung ist ja auch die selbe. 

Bitte bei uns melden, wer gleich denkt wie wir und von der abgehobenen und mit touristischer Weltfremdheit geprägten Politik endgültig genug hat (eigentlich fiel der Ausdruck „die Schnauze voll hat“, Anm. d. Red.) – wir freuen uns über jeden Kontakt. Gemeinsam und mit viel Tiroler Herzblut geht halt alles besser. 

www.mittirolerherzblut.com