Warum der morgendliche Kampf um den Liegestuhl gut für die Wellnesshotellerie ist

Leitartikel von Michael Klimesch

Oftmals benötigt es keine hundertseitigen Expertisen, langwierigen Versuchsreihen oder aufwändige Befragungen, um zu ergründen, wann eine Urlaubsregion den Geschmack der Gäste trifft und wann nicht. Sollen die schönsten Tage des Jahres in einem alpenländischen Wellnessresort verbracht werden, oder sind Sonne, Meer und Korallenriffe nach wie vor unschlagbare Argumente? 
Die eigenen Erfahrungen oder jene von Freunden und Bekannten beantworten diese Frage oft sehr schnell – und geben der nachhaltigen Philosophie der hochklassigen Spa-Hotellerie immer öfters recht. 

| Hochbetrieb um 6 Uhr | Der Schreiber dieser Zeilen machte sich im Herbst mit Frau und Kind sowie zwei befreundeten Pärchen auf die Reise nach Ägypten. Fünf Sterne, Sonnengarantie, Tauch-Riff direkt am Strand – Herz, was willst du mehr? Tatsächlich bot das 5-Sterne-Resort in Sharm el Sheikh 13 Pools sowie zehn verschiedene Spezialitätenrestaurants all-inklusive. Nicht inklusive gab es jedoch ein durchdachtes und allumfassendes Wohlfühlkonzept. 

Zu groß die Gästemengen, um jeden zufriedenstellen zu können. Da konnten die Angestellten noch so freundlich lächeln – um 6 Uhr in der Früh (!) war kein Liegestuhl mehr zu ergattern, Hunderte waren bereits reserviert. Um Reservierungen in den diversen Restaurants zu ergattern, musste man besser organisiert sein, als ein Reisebüro. Mit anderen Worten: der Stress war trotz des hervorragenden Angebots ein ständiger Begleiter. Und Stress hat ja im Urlaub gar nichts zu suchen!

| Gesamtkonzepte | Hier kann die Wellnesshotellerie ansetzen und den Nachteil von fehlenden Schnorchelriffen, 30-Grad-Garantien oder Sandstränden mehr als ausgleichen. Denn nur das Gesamtkonzept aus Ausstattung, Atmosphäre, Erholung, Platz und ehrlicher Freundlichkeit lässt ein wirkliches Urlaubserlebnis zustandekommen. Man kennt es ja selbst: meistens nach einem Urlaub lässt man die Tage Revue passieren und analysiert: „Es war eigentlich toll, aber dies und jenes hätte besser sein können.“ 

Sobald ein Gast jedoch ohne aber zurückblickt, hat man ihn quasi schon wieder gewonnen. Die Alpenhotellerie ist auf dem besten Weg dazu, den Sommerdestinationen das Meerwasser abzugraben. Auch wenn dieser Weg ein beschwerlicher ist – es führt kein Weg an vollkommener Qualität vorbei.